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Seniorenresidenz Waldesruh 2v4
Datum: 24.06.2021, Kategorien: Betagt, Autor: bynachtaktiv
... das habe ich mir schon fast gedacht", antwortete Pia lächelnd. Dann ging die Tür auf und eine andere, etwas ältere Schwester erschien mit einem Tablett in den Händen, auf dem zwei Teetassen und ein Teller mit etwas Gebäck standen. "Über die könnte ich dir Dinge erzählen ... ", flüsterte Peter geheimnisvoll, als die Helferin die Tür wieder hinter sich geschlossen hatte. "Aber der Gentleman genießt und schweigt!", antwortete Pia, die keinen besonderen Drang verspürte, irgendwelche Geheimnisse zu erfahren. Peter stutzte den Bruchteil einer Sekunde, dann sagte er: "Genau!" Eine andere Tür öffnete sich und ein Mann betrat das Büro. Pia schätzte ihn auf Anfang 40 und sie fand ihn auf Anhieb sympathisch. Die beiden Männer umarmten sich kurz, dann setzte sich der jüngere hinter seinen Schreibtisch und blickte Peter intensiv an. Dann schaute er zu Pia hinüber, taxierte sie von oben bis unten und blickte wieder zu Peter hinüber. "Und was hast du diesmal angestellt? Vater?" Pia horchte auf. Langsam verstand sie die Zusammenhänge. Peter hatte seine Praxis an seinen Sohn weitergegeben und wollte wohl mal nach dem Rechten schauen. "Natürlich habe ich NICHTS angestellt!", sagte Peter. "Die Kleine da und ich wollen heiraten, und wollten uns dafür deinen Segen holen." Pia wurde leicht schwindelig, aber bevor sie etwas sagen konnte, sah sie wie beide Männer breit grinsten und herzhaft lachten. "Nehmen Sie es meinem Vater nicht übel", sagte der Sohn und fügte hinzu: ...
... "So ist er halt!" Vom weiteren Verlauf der Unterhaltung zwischen Vater und Sohn bekam Pia nicht mehr viel mit. Die beiden schienen sich in einer fremden Sprache zu unterhalten. Nur daß es um gynäkologische Themen ging, soviel war Pia klar. Sie schaute sich unterdessen lieber den jugendlichen Doktor an, der ihr immer besser gefiel. "Na prima, Vater! Dann weiß ich jetzt besser Bescheid. Vielen Dank noch einmal für deinen Rat!" Peter strahlte und klopfte seinem Sohn auf die Schulter. "Ach, nicht der Rede wert", wiegelte Peter ab. "Wofür hat man den alten Herrn denn?" Peter stand schon an der Tür, als der Doktor Pia die Hand zum Abschied reichte. Dann, an seinen Vater gewandt, grinste er und meinte: "Also wenn das mit eurer Hochzeit nicht klappt ... ich würde schon einspringen ...!" "Ja, ja. Das könnte dir so passen!", lachte Peter und zog die verdutzte Pia am Arm aus dem Büro. Nachdem sie das Spalier der schmachtenden Helferinnen durchquert hatten und wieder alleine im Fahrstuhl standen, fragte Pia: "Sind eigentlich alle Gynäkologen so ...?" Peter lachte auf und schaute sie von oben herab an. "Nicht alle. Aber die meisten!" Als nächstes wollte Peter zur Bank, und auf dem Weg dorthin durchquerten sie die Einkaufspassage. Sie blieben vor einigen Schaufenstern stehen, aber Peter hatte wenig Sinn für Schuhe oder Kosmetikartikel. Vor einem Juwelier bestaunte Pia einen herzförmigen Anhänger, während er sich eher für eine Uhr begeistern konnte. Aber Peter schien es ...