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Immer mit dem Wind
Datum: 26.06.2021, Kategorien: 1 auf 1, Autor: Kastor Aldebaran
... Alten an die Tür und er ließ uns eintreten. Dann baten wir ihn die beiden Dolche in Verwahrung zu nehmen, da wir uns dachten, dass sie hier noch am sichersten waren. Diesmal sah ich den Alten das erste Mal lächeln und nahm sie an sich. Dann bedankte er sich noch bei uns für die Ladung, die er nur durch uns bekommen hatte. Dazu wurde die Passage auch noch fast doppelt so hoch bezahlt wie sonst. Also musste das was in der Kiste war sehr wichtig sein, aber davon ließ er nichts verlauten. Das blieb zumindest noch sein Geheimnis und vielleicht war es auch besser so, wenn es keiner wusste. Langsam segelten wir aus dem Hafen und nahmen schon bald Kurs Westen, also dort hin, woher wir gekommen waren. Wieder segelten wir tagelang an der afrikanischen Küste entlang. Das gleiche Schauspiel wie schon Tage und Wochen zuvor. Diesmal passierten wir Gibraltar in der Nacht und hatten Glück, dass wir in einem Rutsch durch kamen. Wehmütig schauten die auf die mit wenigen Lichtern beleuchteten Teile Afrikas und Europas und wir erwarteten vom Kapitän Anweisungen, in welche Richtung es jetzt gehen sollte. Gegen Morgen richtete der Steuermann dann den Kurs Richtung Süden. Mehr wusste er auf Anfrage unsererseits auch nicht. Also weiter die Küste Afrikas entlang und lange Zeit war Marokko auf der Backbordseite unser steter Begleiter. Zumindest musste es Marokko sein, aber nach zwei Wochen waren wir uns dann nicht mehr sicher ob es noch Marokko war, oder schon Mauretanien. Zu sehr mussten wir gegen ...
... den Wind ankreuzen, dass wir mit der Zeit die genaue Orientierung verloren da uns ein Anhaltspunkt fehlte, der die zurückgelegte Strecke bezifferte. Ebenso fehlten irgendwelche charakteristische Landmarken und so ließen unsere Spekulationen langsam aber sicher nach. Anscheinend wusste wirklich nur der Alte wohin es ging. Er ließ sich alle paar Stunden auf Deck sehen, schoss die Sonne, berichtigte den Kompasskurs und verschwand dann wieder in seiner Kabine. Das einzige was wir bemerkten war, dass es immer wärmer wurde. Aber es ließ sich recht gut aushalten, da wir nicht viel zu tun hatten. Das Wetter zeigte sich gnädig uns der Wind blies fast fortlaufend mit gleicher Stärke. Die Lappen blieben also dort hängen wo sie gerade waren und blähten sich immer gleich. Außer ein wenig Deckschrubben und Ordnung halten war nicht zu tun. So vertrieben wir uns die Zeit damit, Geschichten zu erzählen oder im Schatten vor uns hin zu dösen, denn unter Deck war es kaum noch auszuhalten und jeder der konnte, blieb auf Deck und schlief auch hier. Selbst die der Erste und der Bootsmann hielten es so, nur der Kapitän blieb eisern unter Deck. Süden, nichts als Süden und dann eine oder zwei Wenden am Tag. Es wurde langsam langweilig. Nicht einmal das Essen konnte unsere Laune mehr heben. Es wurde immer eintöniger und schmeckte mittlerweile jeden Tag gleich. Was sollte der Smutje auch machen? Frisches hatte er schon lange nicht mehr und er machte aus dem noch vorhandenen eben das was noch möglich ...