1. Immer mit dem Wind


    Datum: 26.06.2021, Kategorien: 1 auf 1, Autor: Kastor Aldebaran

    ... war. Irgendwann fragten wir uns wirklich, warum wir nirgends an Land gingen um unsere Vorräte zu ergänzen, aber obwohl wir relativ dicht unter Land unterwegs waren, wurde daraus nichts, als wenn der Alte extra das Land mied.
    
    Die Tage gingen dahin und nichts Außergewöhnliches geschah außer das sich unser Kurs wieder langsam Richtung Osten verlagerte um dann fast vollkommen in die Richtung zu gehen. Golf von Guinea war die Vermutung und so musste es auch sein. Wie sollte es sonst funktionieren?
    
    Wieder verging ein Tag nach dem anderen, nur flaute der Wind immer mehr ab und so machten wir nicht mehr viel Fahrt, dümpelten eher in einer Flaute vor uns hin. Wenn es so weiter ging, war das Essen unser kleineres Problem. Mehr sorgen machten wir uns um die Wasserversorgung. Nur noch wenige Fässer waren gefüllt und nahmen rasch ab. Außerdem begann das Wasser faulig zu schmecken und würde bald, sehr bald ersetzt werden müssen.
    
    Doch irgendwann hielten wir dann auf Land zu, oder besser gesagt erkannten wir mehrere Flussläufe, die sich ins Meer ergossen. Viel rechnen mussten wir dann nicht mehr. Das Delta des Niger lag vor uns und unser Schiff fuhr geradewegs in einen der Arme hinein. Jetzt stand der Alte wieder am Ruder.
    
    Nur langsam kamen wir voran, was daher rührte, dass wir gegen den trägen Strom anfuhren und zugleich einige Segel weggenommen hatten. Fast nur im Schritttempo kamen wir voran und es dauerte nicht lange, da wurde es zu flach. Hier warfen wir zuerst den einen, ...
    ... dann den anderen Anker. Ein Beiboot wurde ausgesetzt und ein weiterer Festmacher wurde damit an Land gebracht und an einem sehr alten, dicken Baum befestigt. Sonst geschah erst einmal nichts mehr. Ruhig lagen wir da, hatten alle Segel eingeholt, sie aber nicht ordentlich verstaut, sondern lagen auf den Bäumen, als wenn sie jederzeit hochgezogen werden könnte.
    
    Obwohl das Land so nah war und wir zu gerne von Bord gegangen wären, wurde es uns verboten. Keiner, wirklich keiner sollte an Land gehen bis der Alte es erlaubte. Nicht einmal die Vorräte an Wasser konnten wir ergänzen und mussten mit dem auskommen was noch da war. Auf alle Fälle war das Wasser was unser Schiff umspülte während der Flut zu brackig, kam die Ebbe zu sehr verschlammt. Einige von uns probierten es trotzdem, ließen es dann aber schnell sein. Da schmeckte selbst unser altes Wasser noch besser.
    
    So kam die Nacht herein und der Erste ließ doppelte Wache besetzten. Doch in der Nacht geschah nichts, nur die Stimmen der Dunkelheit zerrissen ab und zu die Stille. Fremde Tierlaute drangen an unsere Ohren und so mancher sah gespannt in die tintenschwarze Nacht und fragte sich, welches Ungeheuer wohl gerade an Land zu uns herüber starrte und sich dabei die Zähne leckte. Aber es blieb ruhig.
    
    Auch der nächste Tag brachte keine Änderung. Das einzige war jetzt ungemein störte war der gar nicht mehr vorhandene Wind. Absolute Windstille umgab uns und das war wohl für jedes Insekt das Startsignal, von unserem Blut ...
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