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Geliebter Dämon 11: Der Köder
Datum: 16.07.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byPhiroEpsilon
... Warte, bis ich komme." Ich merkte, wie mein Körper seinem Befehl folgte und sich entspannte. Was hatte er mir da nur gespritzt? Wenn er sich darauf verließ, dass ich seinen Befehlen Folge leistete, musste es sich um eine verdammt starke Droge handeln. Und eine, von der ich bisher noch nichts gehört hatte. Wahrscheinlich braute er sie selber zusammen. War er Heilpraktiker oder Alchemist? Der Bus fuhr rechts ran und hielt an. Schon beim ersten Anzeichen war mein Körper aufgestanden, hatte "'Tschuldigung" gemurmelt und sich an Wanders vorbeigedrückt. Abgesehen von der Tatsache, dass ich nicht wusste, ob ich in der Lage sein würde, die Macht der Droge über meinen Körper zu brechen, lief momentan alles nach Plan. Ich konnte nur hoffen, dass sich die Kollegen auch an den Plan hielten, und keiner versuchte, mir zu dicht zu folgen. Ja, Bob, das meint dich. Mein Körper tat wie geheißen. Während Wanders im Bus sitzengeblieben war, lief ich den Bürgersteig entlang, erreichte den Park und steuerte die erste Bank an. Die nächste Bushaltestelle war nur ein paar hundert Meter weiter. Wanders würde aus der entgegengesetzten Richtung kommen, und kein Passant konnte Verdacht schöpfen. Schon wenige Minuten später setzte er sich an das andere Ende der Bank, holte eine Zeitung heraus und versteckte sein Gesicht dahinter. "Antworte schnell und wahrheitsgemäß", zischte er. "Wartet zu Hause jemand auf dich?" "Nein", sagte mein Körper, "ich lebe alleine." "Hast du heute ...
... noch Termine?" "Nein." Hoffentlich fragte mich der Kerl nicht nach meinem Beruf. Oder ob ich ein Engel-Dämon-Hybrid war, aber diese Frage war sicher nicht in seinem Repertoire. Er ließ seine Zeitung sinken, und blickte nach links und rechts. "Schalt dein Handy aus. Du läufst jetzt durch den Park und wirfst es dabei in eine Mülltonne. Verlass den Park durch den Nord-Ausgang. Zwanzig Meter nach rechts. Dort parkt ein gelber Opel Astra. Steig auf der Beifahrerseite ein." Er hatte die ganze Aktion gut geplant und vorbereitet. Wie sicher war er sich gewesen, auf dieser Strecke eine Frau zu finden? Vielleicht hatte er ja noch mehr Jagdgebiete vorbereitet. Der Opel war auf jeden Fall ein uraltes, schrottreifes Gefährt. Wahrscheinlich unter der Hand gekauft, und so wie ich Wanders inzwischen einschätzte, würde er ihn nur einmal benutzen, und dann in die Schrottpresse schicken. Irgendwie war es sehr einfach, meinen Körper seinen Befehlen folgen zu lassen. Derweil konnte ich alles genau beobachten. Wanders trug Jeans, teure, aber völlig abgetragen. Seine Schuhsohlen waren schief abgetreten, und seine Jacke hatte mehrere Brandlöcher. Er roch auch nach Zigaretten. Er stieg gleich nach mir ins Auto, befahl mir mich anzuschnallen und die Augen zu schließen. Ha, ausgetrickst. Er fuhr los, scheinbar streng darauf bedacht, keine Verkehrsregeln zu übertreten. Auf der nächsten Hauptstraße bog er nach Westen ab. Raus aus der Innenstadt, an einer Bahnstrecke entlang zu ...