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Alisha -- Vorgeschichte 01
Datum: 24.07.2021, Kategorien: BDSM Autor: byAstrum Argenteum
Der erste Teil einer losen Reihe mit Rückblicken auf die Vorgeschichte. Der Anfang knüpft an an den Beginn der Episode 5 von "Das Pfingst-Martyrium", die durch diese Vorgeschichte mehr Kontext erhält. +++ Alisha kuschelte sich wieder in die weiche Decke, überlegte kurz und sagte dann: „Erinnerst du dich noch an das Gespräch über Schmerz, das wir vor ein paar Jahren geführt haben?" Ich nickte. Wie könnte ich das jemals vergessen! Es muß vor ziemlich genau zwei Jahren gewesen sein. Wir waren damals gerade erst seit ein paar Wochen wieder zusammen, auch wenn „zusammen sein" irgendwie der falsche Begriff ist... hatten uns versöhnt? Auch das trifft es nicht wirklich. Es war kompliziert, obwohl, eigentlich ist es ja immer noch ziemlich kompliziert. Auch wenn die Zeit damals wirklich sehr seltsam war (etwas, das ich besser ausführlicher an anderer Stelle erzähle). Ich habe mich und Alisha nie wirklich als ein Paar gesehen, auf das Begriffe wie Dom und Sub, Top und Bottom, oder auch nur S und M sonderlich gut passten. All diese Begriffe halt, die scheinbar klare Verhältnisse schaffen sollen, wo wirkliches Leben und Begehren oft so viel komplexer ist. Alisha war recht unverhofft in mein Leben geschneit und hatte mich schnell mit Dingen konfrontiert, die mir zwar mehr oder weniger ein Begriff waren, die ich aber nicht als Teil von mir oder meiner Identität betrachtete. So hatte ich zum Beispiel nie wirklich darüber nachgedacht, ob Schmerzen -- als sinnliche ...
... Empfindung -- etwas Positives sein können. Klar wusste ich, dass es Menschen gibt, die Schmerzen in der Hinsicht etwas abgewinnen können, aber weder mochte ich persönlich das Erleben von Schmerzen sonderlich gerne, noch gab es Masochisten in meinem Leben. Zumindest keine, von denen ich wusste. Alisha zwang mich damals quasi dazu, eine Rolle zu finden, um mit ihrem Bedürfnis nach extremen Erfahrungen, Schmerzen, Erniedrigung und Grenzüberschreitungen klar zu kommen. Was genau diese Rolle ist, weiß ich bis heute nicht 100%; sie ist aber definitiv nicht die Rolle eines Dom. Tatsächlich hasse ich Sadismus, verstehe ihn nicht. Ich kann Alisha Schmerzen zufügen, wenn sie mich darum bittet. Es ist eine Form der Zuwendung, der Liebe zu einem anderen Menschen. Für viele Außenstehende ist dies nicht nachvollziehbar. Sie können es nicht unterscheiden. Sie sehen nur die Hand, die schlägt. Die Peitsche, die eine Wunde lässt. Sie sehen nur Opfer. Das wiederum verstehe ich. Denn sie kennen es nicht anders. Entweder weil ihnen wirklich der Horizont zu eng ist (denn auch das gibt es natürlich, der eklatante Mangel an Erfahrung und Erleben, eigentlich bemitleidenswert), oder aber, weil sie es verdrängen. Weil sie die Fantasien, die sie selber in sich tragen, von Unterwerfung und Überwältigung, Dornenkronen und Beschmutzung, von groben Händen, geilen Faunen und gutbestückten Zentauren, in die Kerker ihrer deprimierten bürgerlichen Seelen verbannen. Manchmal taucht es vielleicht noch auf, als ...