1. Alisha -- Vorgeschichte 01


    Datum: 24.07.2021, Kategorien: BDSM Autor: byAstrum Argenteum

    ... wie bei einem Junkie? Man weiß, der Mensch den man liebt ist abhängig, und er braucht den nächsten Schuß, und wenn er dich anbettelt, dann hast du nur die Wahl zwischen zwei schrecklichen Alternativen, ihn davon zu jagen, damit er irgendwo alleine und ohne dich in der Gosse endet, oder ihm den Schuß hier zu geben, damit er wenigstens unter deinen Augen leidet, und doch für immer für dich verloren ist...
    
    Die Zweifel brachten mich bald an den Punkt, an dem ich Alisha damit konfrontierte, und ihr offenbarte, wie sehr mich die Situation verstörte. Ich erklärte ihr, dass ich -- wie ich mit Erstaunen realisiert hatte -- tatsächlich Erregung und Lust dabei empfinden konnte, ihr Schmerzen zuzufügen. Aber eben nicht, weil ich ein Sadist war, ganz im Gegenteil, sondern weil ich dabei spürte wie intensiv ihr die Erfahrung der Schmerzen Lust bereitete. Ich sagte es so, und noch heute klingen diese Worte jedes Mal so unglaublich verrückt: „Ich verstehe, dass es eine Form von Liebe ist, wenn ich dir Schmerzen zufüge."
    
    „Und doch", führte ich weiter aus, „kann ich es nicht aus meinem Kopf bekommen, dass ich dir dabei Gewalt antue, dass dein Verlangen nach Schmerzen doch eigentlich die Sehnsucht danach ist, dass die Schmerzen in dir endlich versiegen. Dass du eigentlich versuchst, deine inneren Schmerzen damit zu betäuben, dass du oder ich dir Schmerz von außen zufügen."
    
    Es war dieser Moment, als ich Alisha zum ersten Mal weinen sah.
    
    Und ich weinte mit ihr.
    
    Und verdammt noch ...
    ... mal, ich liebte sie in diesem Moment so sehr wie nie zuvor. Es war kein peinlicher Beschützerinstinkt, der mich mit Empathie überspülte. Es war etwas viel Tieferes, Größeres. Ich hatte in ihr Inneres geschaut, vermutlich als einer der ersten Menschen überhaupt auf dieser Welt, weil sie es zugelassen hatte. Sie hatte sich mir geöffnet, mir ihre wunderschöne, verletzte Seele gezeigt.
    
    Denn das war der Moment der Wahrheit.
    
    +++
    
    In den folgenden Tagen, Wochen erzählte mir Alisha von ihrer Vergangenheit. Nicht zusammenhängend, eher in Fragmenten, mit vielen Pausen, Auslassungen.
    
    Erzählte die Geschichte zu ihren Narben und Wunden.
    
    Ihren gewalttätigen Eltern, Alkoholismus.
    
    Wie sie mit 14 von zuhause abgehauen ist, auf der Straße abhing, Drogen nahm, sich prügelte, selbst einiges abbekam. Wie sie mit 15, für ein Tütchen schlechtes Pep einem Typ hinter dem Bahnhof einen runterholte. Wie die Polizei sie einsammelte. Die Schläge zuhause. Das Geschrei, das Elend. Das Jugendamt.
    
    Trotzdem hielt sie sich immer noch auf dem Gymnasium. Auch wenn Schule sie nicht interessierte, fiel ihr das Lernen leicht, das was sie tun musste, tat sie.
    
    Ihr Schulalltag bestand dafür immer mehr aus Mobbing, sie war das komische anämische Mädchen, der Freak mit den schwarzen zerrissenen Klamotten, dem bösen Blick.
    
    „Asi Kind" „Psycho Schlampe" „Bahnhofshure" stand an Toilettenwänden und in den häßlichen Fratzen der Bürgerkinder auf ihrer Schule.
    
    Sie wehrte sich auf ihre Weise. Es setzte ...
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