1. Die Insel


    Datum: 14.08.2021, Kategorien: Sonstige, Autor: Kastor Aldebaran

    ... auftauchte und sich laut lachend mit der Unterstützung einiger Älteren über ein Feld hermachten. Sie wuselten herum, bekamen dieses und jenes gezeigt und lernten spielerisch, was sie wissen mussten.
    
    Zuerst versuchte Kisara, nicht hinzuschauen. Doch dann konnte sie einfach nicht mehr anders, setzte sich auf die Mauer und sah ihnen zu. Doch nur wenig später liefen ihr schon die ersten Tränen über die Wangen, denn sie war sich sicher, niemals selber eines dieser quirligen Kinder zu haben. Fast hätte sie geheult, konnte sich gerade noch beherrschen. Also saß sie weiterhin auf der Mauer und sah weiter zu, auch wenn das Bild vom Wasser in den Augen leicht verschwommen war.
    
    Dann kam plötzlich jemand mit ins Bild, der sie ablenkte.
    
    Sie kannte ihn gut. Kayun war ihr wie jeder andere bekannt. Mit den Jahren war er zu einem wirklichen Mann herangereift und sah eigentlich gut aus. Vielleicht sogar etwas mehr als gut. Doch eigentlich kannte sie ihn gar nicht. Er war zwar immer da, aber wurde von ihr nicht wahrgenommen, was sicher daran lag, dass er sich nicht für sie interessierte wie viele andere. Sie hätte fast jeden haben können, nur Kayun war einer der wenigen, die sich anscheinend nichts aus ihr machten. Wenn sie jetzt so darüber nachdachte, fiel es ihr erst richtig auf.
    
    Auch jetzt ging er an ihr vorbei, ohne sie wirklich zu beachten. Sie war sich sicher, dass er sie gesehen hatte, aber eine Reaktion von seiner Seite aus kam nicht. Also ging er an ihr vorbei ins Dorf und ...
    ... sie sah ihm noch eine Weile nach, bis er aus ihrem Blickwinkel verschwand. Er drehte sich nicht einmal um. Warum auch, er hatte keinen Grund dazu.
    
    Also richtete sie wieder ihren Blick auf die Kinder, die sich jedoch auch gerade dazu aufmachten, wieder ins Dorf zurückzugehen. Dann war sie wenige Momente später allein. Nur noch ein kleines helles Lachen drang an ihre Ohren, dann war es still um sie herum. Kisara atmete einmal tief durch, wischte sich mit dem Handrücken das Wasser aus den Augen und erledigte den Rest von dem, was sie angefangen hatte. Als die Sonne fast untergegangen war, hörte sie damit auf und ging zurück in ihre einsame Hütte. Erst hier ließ sie ihren Gefühlen freien Lauf. Sie weinte und schluchzte so lange, bis sie in einen unruhigen Schlaf versank.
    
    Kayun hatte langsam ein Problem. Eines, worüber er sich sein ganzes voriges Leben keine Gedanken gemacht hatte. Wenn es so weiter ging, dann wurde dieses Problem sogar noch größer.
    
    Fühlte er sich zuerst noch sehr gut mit dem Gedanken, dass er begehrt war. Dann wurde es ihm langsam zu viel. Frapi sah nicht so aus, als wenn sie das letzte Mal bei ihm gewesen wäre, Araras Dach würde sicher auch nicht fertig werden und einige andere Frauen des Dorfes, sahen ihn auch seltsam an. Was er früher zu wenig gehabt hatte, würde bald zu viel werden. Er konnte nicht für alle Frauen im Dorf da sein, zumindest nicht in der Eigenschaft als Mann.
    
    Wenn ihm noch vor wenigen Wochen jemand das erzählt hätte, dann hätte er ...
«12...119120121...144»