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Die Insel
Datum: 14.08.2021, Kategorien: Sonstige, Autor: Kastor Aldebaran
... abgeschlossen, denn die Lava kroch weiter auf die Stelle zu, an der einmal die Landbrücke gewesen war, und ergoss sich hier mit lautem Zischen ins Wasser. Weiße Rauchwolken stiegen hoch auf und das Wasser begann, an verschiedenen Stellen zu brodeln. Es würde sehr lange dauern, bis das Gestein hier soweit abgekühlt war, um es gefahrlos zu betreten. Und wenn es dann soweit war, würde es einem auch nichts mehr nutzen. Die Brücke war unwiederbringlich versunken. Wie also wieder hinüberkommen. Fünfhundert Schritte waren nicht viel. Schwimmen konnten die meisten, nur gab es jetzt dort zwei Hindernisse. Die Gezeiten drängten sich zwischen den jetzt zwei Inseln hindurch und würden jeden Schwimmer mit sich reißen. Nur während des höchsten und niedrigsten Stands der Tide würde die See für eine kurze Zeit keine Strömung haben. Dann wäre es durchaus möglich hinüberzuschwimmen. Allerdings hatte das einen gewaltigen Haken. Die Inseln waren weit und breit die Einzigen im Ozean. Hier konzentrierte sich das Leben, nicht im offenen Wasser. Das wussten nicht nur die, die Schutz oder Nahrung an den Inselsockeln suchten, sondern auch ihre Jäger. Wo Beute da Jäger. Haie waren hervorragende Jäger und ein schwimmender Happen, der so einfach zu erlegen war wie ein Mensch, war schon eine Versuchung wert. Alle auf der Insel wussten es. Darum gingen sie so gut wie nie Wasser, höchstens bis zu den Knien denn selbst im hüfthohen Wasser, etwas weiter draußen war man nicht sicher. Gerade hier ...
... lauerte der Tot und nicht nur einer von ihrer Sippe war schon ein Opfer geworden. Darum ließen die Bewohner es und schwammen wenn überhaupt nur in dem kleinen See auf der Insel, der ihnen als Süßwasserspeicher diente. Sie lebten mehr vom Ackerbau und der Viehzucht, wobei das Letztere sich eher auf die frei laufenden Ziegen beschränkte, die auf der Insel des Vulkans ihr Leben fristeten. Wenn es Fisch gab, dann nur welchen der geangelt oder mit den Händen im seichten Wasser gefangen wurde. Das war dann aber eher eine Nebenbeschäftigung, als ein wirklicher Broterwerb. Eine Sache kam noch erschwerend dazu. Es hatte mit dem zu tun, wie sie überhaupt auf die Insel gekommen waren. Eigentlich wusste das keiner mehr so genau. Nur die Alten kannten noch eine Geschichte darüber, die aber auch eine Erfindung sein konnte. Eins hatte sie aber, sie war nicht von der Hand zu weisen, und da es keiner anders wusste, musste man sie glauben. Vor vielen Jahren kamen die Großeltern der ältesten Alten von heute mit Booten auf die Insel. Sie waren von weit hergekommen und hatten alles mitgebracht, was sie benötigen. Warum sie allerdings den weiten Weg angetreten waren, wusste auch keiner mehr. Jedenfalls ließen sie sich auf der damals sehr dicht bewachsenen Insel nieder und begannen ein neues Leben. Der Vulkanboden war so gut, dass sie drei Ernten einfahren konnten. Somit herrschte kein Mangel. Doch die Bevölkerung wuchs und wuchs. Es war keine Not, wurden die Ernten zu gering, wurde neues ...