-
Die Insel
Datum: 14.08.2021, Kategorien: Sonstige, Autor: Kastor Aldebaran
... zusehen, wie auch die letzten Bäume von der Insel verschwanden. Eine spätere Suche nach Setzlingen, die vielleicht noch irgendwo abseitsstanden, brachte keinen Erfolg. Erst jetzt wurde den Menschen klar, dass sie auf der Insel gefangen waren. Zumindest solange bis eventuell noch einmal ein Boot vorbei kommen würde. Das kam aber nicht. Bis zum heutigen Tag nicht. Jetzt war guter Rat teuer. Die Bevölkerung hatte die größtmögliche Anzahl erreicht. Mehr konnte die Insel nicht ernähren, ohne dass sie hungern müssten. Also wurde ein Plan entwickelt, wie zu verfahren wäre. Die einzige Lösung war zugleich die schwierigste. Es durften nur dann einer geboren werden, wenn ein anderer starb. Oder besser noch weniger. Eine zweite Schwierigkeit kam dazu. Da die Bevölkerungszahl relativ gering war, wurde es sehr schneller erforderlich sich zu merken, wer mit wem wie weit verwand, war. So entstanden mit der Zeit Pläne, wer mit wem zusammen sein durfte und wer nicht. Es beruhte also oft gar nicht auf Liebe oder Sympathie, sondern diente mehr dem Zweck, wenn zwei sich zusammentaten. Trotzdem wurde es immer schwieriger die Balance zu halten zwischen Überbevölkerung und zu geringer Auswahl. Allerdings pendelte es sich mit der Zeit soweit ein, dass es keinem wirklich mehr schwerfiel. Das hatte auch einen Grund. Warum genau wusste keiner so genau. Aber aus einer der Wildpflanzen konnte man einen süßen Saft gewinnen, der nach einiger Zeit zu gären anfing. Es entwickelte sich Alkohol ...
... in recht hoher Konzentration. Doch das war gar nicht das, was daran so gut war. Der Trunk hatte noch eine nicht unerhebliche Nebenwirkung. Frauen wurden davon lediglich betrunken, bei den Männern passierte wesentlich mehr. Sie wurden nicht nur betrunken, sondern nach dem Genuss einer höheren Menge für mindestens drei Monate zeugungsunfähig. Das wiederum hatte zwei gewaltige Vorteile. Der erste lag auf der Hand. Man hatte ein Mittel gegen die Überbevölkerung gefunden, ohne das einer auf seine Lust verzichten mussten, denn das beeinträchtige es auf keine Weise. Der zweite, fast genauso große Vorteil lag darin, dass die Männer sich immer wieder volllaufen lassen konnten, ohne dass jemand etwas dagegen sagen konnte. Waren sie betrunken, taten sie nur etwas für die Allgemeinheit. Eine gute Ausrede um sich einen zu gönnen. Tragisch war nur, dass sehr viele Männer der Droge Alkohol auf Dauer verfielen. Also mussten sich die Bewohner eines Tages zusammensetzten und darüber beratschlagen, wer überhaupt noch etwas davon bekommen sollte. Hier war der Plan wieder entscheidend und so wurde jedes Jahr unter den jungen Männern einige ausgewählt, die in der Blüte ihrer Manneskraft standen und die richtigen Voraussetzungen hatten. Die bekamen nichts. Sie sorgten mit den dazu ausgewählten Frauen für Nachwuchs. Es war am Anfang nicht leicht dies durchzusetzen, aber es half nichts. Später merkte man sogar, dass es eine sehr gute Sache war, denn die Gemeinschaft der Insulaner sorgte ...