1. Die Anzeige in der Studi-Zeitung


    Datum: 18.08.2021, Kategorien: Erotische Verbindungen, Autor: bySteffi25

    Es war ein nassgrauer Mittwoch im Januar. Ich saß in einer öden Vorlesung. Volkswirtschaftslehre. Glücklicherweise hatte ich mich zuvor mit der Studentenzeitung versorgt. Doch mit Erschrecken stellte ich fest, dass nach dem Lesen der redaktionellen Teile noch unheimlich viel Vorlesungszeit übrig geblieben ist. Ich blätterte durch den Anzeigenteil.
    
    'Oh, Gott. Wieder so ein Prolet, wir Frauen haben wohl auf nichts anderes außer ihn gewartet', schoss es mir bei einer dieser Anzeigen in der Rubrik "
    
    Persönliches
    
    " durch den Kopf. Was denken sich diese Kerle? Denken sie, wir Frauen haben keine andere Freizeitbeschäftigung und suchen nach nix anderem als einen ach so tollen Lümmel? Oder funktioniert die Masche tatsächlich?
    
    'Schlechtausgestatteter Kerl sucht Frau, die so tut, als hätte ich auch so ein Monsterteil, melde dich bei Robert'.
    
    Ich lachte leise über die Anzeige und las weiter. Als ich die nächste Anzeige eines Proleten las, der wieder mit der Größe seines Gemächts pranzte, musste ich an die Anzeige von Robert denken. Ich fand die Anzeige gar nicht mehr so dumm. Ich las weitere Anzeigen - und hoffte auf ein baldiges Ende dieser öden Grundlagenvorlesung. Als ich die nächsten beiden Wichtigtuer gelesen habe, sprang ich noch mal zurück zu Robert. 'Irgendwie witzig, Sex mit einem Kerl zu haben, wo man so tut, als würde man einen anderen vögeln', dachte ich mir.
    
    Als ich die Anzeige am Abend meiner besten Freundin Maria zeigte, hielt sie mich verrückt. Aber sie ...
    ... hält auch meine polygame Grundeinstellung für verrückt. Und dass ich ohnehin alles mal ausprobiere. Ich kann mir aber nicht vorstellen, mein ganzes Leben lang Sex nur mit einen Partner in nur einer Stellung zu vollziehen.
    
    "
    
    Naja, dann musste ihm halt 'ne Mail schreiben
    
    ", meinte Maria dann flapsig, "
    
    aber wer weiß, vielleicht ist das auch nur ein Idiot, der sich über die Anzeigen lustig macht!
    
    "
    
    Ich war am Abend aufgewühlt. Ich fand die Vorstellung skurril, so zu stöhnen, wie ich sonst stöhnen würde, ohne dass mein Körper einen Grund dafür hatte. Durch mein Impro-Theather hatte ich schon Erfahrungen im Rollentausch. Vielleicht würde es ja auch ganz anders kommen und in meinem Kopf schwirren nur Vorurteile, die alle Frauen haben. Oder von denen bestimmte Medien uns glaubhaft machen wollen, dass wir diese Vorurteile hätten. Vielleicht wird es auch nur ein ganz harmloses Treffen und wir würden Tee trinken.
    
    Ich schrieb eine E-Mail, dass ich die Anzeige witzig fand und ihn gerne kennen lernen würde. Mehr nicht. Ich traute mich aber nicht, sie abzuschicken. Womöglich hatte Maria Recht. Und was wäre gewesen, wenn die Person hinter der scheinbar anonymen Adresse mich kannte? Was sollte andererseits passieren? Ich gehe auch mit meiner Sexualität offen um. Zwei Tage später registrierte ich mir ein anonymes E-Mail-Konto und schickte ihm eine E-Mail.
    
    Abends loggte ich mich wieder ein. Es kribbelte in meinen Fingern. Leider keine Antwort. Nur Spam.
    
    Maria meinte, ...
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