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Das Haus in den Bergen
Datum: 27.12.2021, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySavoringTraveler
„You are the dancing queen - Young and sweet - Only seventeen - Dancing queen" lauthals singt Sabine den Song, der ihr aus dem Radio die Fahrt verkürzt. Sie liebt ABBA, seit sie ein Kind war. Sabine ist super gut gelaunt, seit Wochen hat sie sich auf dieses Wochenende gefreut. Ein Klassentreffen mit ihrer alten Abiklasse. Eigentlich hätte das ja schon vor Jahren klappen sollen, aber dieses Mal, zum 10-jährigen will sie endlich dabei sein. Heute Abend will sie mal wieder eine Dancing Queen sein, und wild auf der Tanzfläche austoben, wie damals, als sie ihre ersten Partys feierte. Sie hat sich vorbereitet für die Partynacht, alte Fummel im Gepäck, enge Jeans. Zu enge Jeans denkt sie sich, schon wieder mal musste sie zu einer größeren Nummer greifen. Sie schaut in den Rückspiegel, nicht auf den Verkehr hinter ihr, den gibt es schon seit längerem nicht mehr, sondern ob ihre Lippen noch richtig geschminkt sind. Sie trägt immer noch ihre Büroklamotten, den Rock und die Bluse, aber heute hat sie auf die dunklen Seidenstrümpfe nicht verzichtet. Sabine will auf keinen Fall erst spät am Abend ankommen, darum hat sie sich heute den Tag ab 14 Uhr freigenommen und ist auch gleich direkt vom Büro losgefahren. Die Strecke bis Füssen ist ihr einigermaßen bekannt, aber von dort muss sie weiter auf kleinere Nebenstraßen und das Navi will sie unbedingt durch Österreich zum Zielort schicken. Warum können die nicht einfach das Klassentreffen in München machen, wie die ersten Jahre. Warum ...
... muss es denn eine Hütte irgendwo in den Bergen sein. Seit geraumer Zeit hat sie keine wirkliche Ahnung mehr, wo sie ist. Vor 20 Minuten etwa ist der enge asphaltierte Weg zu einer Erdstraße geworden und Nebel ist aufgezogen. Das Navi fängt an zu spinnen, klar, ihr Telefon hat ja auch keinen Empfang mehr. Sie hat sich komplett verfahren, und nun leuchtet auch noch ein rotes Licht im Display ihres Golfs auf. Langsam fährt Sabine trotzdem weiter, das gibt es doch nicht, es kann doch gar nicht mehr so weit sein. Der Motor fängt an zu stottern, Mist. Was soll ich jetzt nur tun? Hier ist ja nichts weit und breit. Sie bleibt erst einmal stehen und steigt aus dem Wagen aus, öffnet die Motorhaube. Schon ein Witz, danke sie sich, warum mache ich die überhaupt auf? Ich habe doch sowieso keine Ahnung, was ich tun könnte. Oder gibt es ein Kabel und eine Verbindung auf der steht „hier einstecken, um weiterzufahren"? Sie schaut sich um, es ist stockdunkel und bestimmt seit 20 Minuten also seit der Erdstraße ist ihr auch kein Auto mehr begegnet. Doch dort, hinter den Bäumen, wo die Straße eine Kurve macht. Dort scheint irgendein Licht zu sein. Sabine steigt wieder in ihren Golf ein, startet ihn, das rote Licht geht sofort wieder an. Langsam fährt sie zur Kurve und der Motor macht bedrohlich Geräusche. Ja, tatsächlich, ein Stück hinter der Kurve geht ein Feldweg von der Straße ab, und dort hinten scheint tatsächlich ein Haus zu stehen. Vielleicht kann ich ja fragen wo ich bin ...