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Geheime Fantasien
Datum: 05.04.2022, Kategorien: Sonstige, Autor: Emily Bloomingdale
... einhundert Prozent der Erdbevölkerung galt. Aber das konnte sich bereits kurzfristig ändern. Ich sah schon die morgige Schlagzeile in der BILD-Zeitung vor mir: Nein, das war natürlich Unsinn. Vermutlich würde es sogar dauern, bis man uns hier gefunden hatte. Endlich kam Ella zurück. "Hast du dem Kassierer noch einen geblasen?", blaffte ich meine rothaarige Freundin an. "Es war eine Frau." "Ach, und es hat zehn Minuten gedauert, bis du das rausgefunden hattest?" "Mensch Jule, nun sei mal wieder flauschig." "Dann nenn mir bitte einen guten Grund dafür. Ich sitze hier in klammen Klamotten, bin hundemüde, hochgradig frustriert und völlig untervögelt. Außerdem habe ich keine Ahnung, wie ich den restlichen Weg bis nach Hause durchhalten soll." " " Sie warf mir ihren besonders spöttischen Blick zu, den sie für Gelegenheiten wie diese reserviert hatte. " bin doch diejenige, die die ganze Strecke fahren muss. Er wäre wirklich an der Zeit, dass du mal den Führerschein machst. Mit zweiundzwanzig bist du langsam alt genug dafür. Oder soll ich so lange deine Chauffeurin spielen, bis die Autos irgendwann autonom fahren?" Auch wenn ihre Worte anderes vermuten ließen, wirkte sie im Gegensatz zu mir recht heiter. Ungewöhnlich heiter. "Warum bist du auf einmal so gut gelaunt?", fragte ich sie argwöhnisch. "Ich habe einen Plan für die kommende Nacht." Ein paar Sekunden wartete ich ab, doch da keine weitere Erklärung folgte, zwang sie mich dazu, bei ...
... ihr nachzufragen. "Magst du ihn mir auch verraten?" "Zunächst einmal muss ich dem roten Audi da folgen." "Hast du zu viele Krimis geschaut?" "Nerv nicht. Sonst müssen wir noch im Auto schlafen." "In dem Auto sitzt ein Mann?", riet ich. "Treffer." "Und er ist attraktiv?" "Mindestens ganz passabel." "Wie alt?" "Ungefähr so alt wie wir." "Und er hat noch ein Zimmer für uns frei?" "Hör mal, Jule, ich kenne mich hier nicht aus und muss mich konzentrieren." "Ich habe noch nicht ganz verstanden wie ..." "Lass uns mal spielen. Du fängst an", unterbrach sie mich unwirsch. Beleidigt schwieg ich. Dennoch ließ die Aussicht auf eine Nacht in einem richtigen Bett die Dunkelheit nicht mehr ganz so trostlos erscheinen. "Shit!", fluchte Ella, als der Audi bei orange an der Rechtsabbiegerspur über eine Ampel fuhr und sie bremsen musste. "Kannst du aussteigen und nachschauen, wo er hinfährt?" Entgeistert starrte ich sie. "Bei dem Regen?" "Raus mit dir!", schrie meine rothaarige Freundin mich an. Wenn sie es darauf anlegte, konnte sie recht einschüchternd sein. Pikiert verließ ich das Auto, machte ein paar schnelle Schritte und sah gerade noch, wie etwas Rotes erneut nach rechts abbog. Jetzt war es auch egal. Um mich abzureagieren, fing ich an zu laufen. Als ich die Ecke erreicht hatte, konnte ich aus der Ferne sehen, wie der Audi gerade am Bordstein parkte. Ella hielt neben mir an. "Und?", fragte sie durch das heruntergelassene ...