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Geheime Fantasien
Datum: 05.04.2022, Kategorien: Sonstige, Autor: Emily Bloomingdale
... Beifahrerfenster. "Da hinten ...", japste ich völlig außer Atem und deutete mit dem Arm grob in die Richtung. "Alles klar", erwiderte sie und fuhr davon. "Was sollte das denn?", schrie ich sie an, als ich sie wieder erreicht hatte. "Du warst ganz nass." "Und jetzt bin ich doppelt so nass!" "Eben, das macht nun auch keinen Unterschied mehr." Es war sinnlos, mit Ella zu diskutieren. Sowohl im Allgemeinen, als auch in dieser speziellen Situation. "Und wie geht es nun weiter?" "Wir klingeln und fragen, ob wir bei ihm übernachten können." Ich ließ ihre Worte sacken und dachte dreimal darüber nach. Sie wollten einfach keinen Sinn ergeben. " ist dein Plan?" "Hast du etwa einen besseren?" Ellas Optimismus war mitunter grenzenlos naiv. Manchmal fragte ich mich ernsthaft, wie sie es überhaupt bisher in ihrem Leben geschafft hatte. Doch da ich weder eine bessere noch eine schlechtere, sondern schlichtweg überhaupt keine andere Idee hatte, stapfte ich durch den strömenden Regen zu dem Haus, vor dem der Audi stand, und drückte ohne zu zögern auf den Klingelknopf. Schlimmer konnte es ohnehin nicht werden. Ein Mann von ungefähr fünfundvierzig Jahren öffnete kurz darauf die Tür und sah mich irritiert, aber nicht unfreundlich an. "Ja bitte?" "Ich wollte zu Ihrem Sohn", stammelte ich und kam mir dabei selten dämlich vor. "Ich habe keinen Sohn." Sein Gesichtsausdruck zeigte nun eine gewisse Besorgnis. Vermutlich sah ich aus wie ein verwirrtes ...
... Häufchen Elend. "Hi", ertönte eine gut gelaunte Stimme hinter mir. "Sie erinnern sich an mich?" "Die junge Lady von der Tankstelle!", erwiderte er prompt. "Wollen Sie auch zu meinem Sohn?" "Äh, nein. Ich wusste bis jetzt noch nicht einmal, dass Sie einen haben." "Da bin ich ja beruhigt. Mir geht es nämlich genauso." Ella warf mir einen fragenden Blick zu. Ich streckte ihr innerlich die Zunge raus, verhielt mich äußerlich jedoch ganz ruhig. Aber das täuschte. Ich kam mir vor wie ein Vulkan, der jede Sekunde hochgehen konnte. "Wir sind auf der Durchreise und schaffen es heute nicht mehr bis nach Hause", erklärte Ella in ihrer unverwechselbar unkomplizierten Art und obwohl ich ihre grünen Augen gerade nicht sehen konnte, wusste ich genau, dass die Kommunikation überwiegend auf der nonverbalen Ebene ablief. "Ihr braucht ein Zimmer für die Nacht?" "Das wäre absolut traumhaft. Ich bin übrigens Ella und das ist Jule." "Ich bin Stefan. Kommt doch rein. Ihr könnt im Zimmer meiner Stieftochter schlafen. Sie ist vor ein paar Monaten ausgezogen." "Oh Stefan, du bist wirklich ein Schatz", flirtete sie ihn an und betrat das Haus. "Ach Jule, könntest du noch unsere Sachen reinholen? Du bist ja eh schon durchnässt." Die Erleichterung über unsere unverhoffte Unterkunft verhinderte den Vulkanausbruch so gerade eben. Dennoch feuerte ich die zwei Taschen wütend in die Ecke unseres Zimmers. "Alles okay mit dir?", fragte Ella und schaffte es doch tatsächlich, dabei ...