1. Der Kotzbrocken


    Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... im Land der Träume und schliefen auch die ganze Nacht durch.
    
    *
    
    Je näher er dem Spital kam, um so nervöser und unruhiger wurde Hans-Werner. Auch die Mädchen waren ganz zappelig und aufgeregt, aber vor Ungeduld und unbändiger Freude, endlich ihre Mutti sehen zu können. Sie konnten es wirklich kaum erwarten und hatten ihm schon beim Frühstück erzählt, was sie wohl alles erwarten würde. Hans-Werner hatte die beiden gebeten etwas leise und vorsichtig zu sein, da er nicht wußte, wie es Frau Wagner gehen würde und ob die Aufregung nicht ein wenig zu groß für sie werden würde.
    
    Sie näherten sich dem Krankenzimmer und Hans-Werner schluckte. Er hatte verdammt noch mal gar kein gutes Gefühl bei der Sache.
    
    Laura klammerte sich auf seinem linken Arm an seinem Hals fest und Fabienne zerrte ungeduldig an seiner rechten Hand.
    
    Er klopfte an und eine Stimme, die er als die seiner Schwester erkannte, rief laut: "Herein!"
    
    Hans-Werner schob die Tür auf und betrat den Raum. Mit einem schnellen Blick überschaute er die Situation.
    
    Frau Wagner lag mit blassem Gesicht in einem großen Kissen. Sie hatte einen Kopfverband, der die Wunde an der Stirn verdeckte und der linke Arm war eingegipst. Die Zudecke war bis zum Hals hochgezogen und verbarg die operierte Hüfte.
    
    Andrea saß neben ihr auf einem Stuhl und machte sich auf einem Untersuchungsblatt Notizen.
    
    Ab dem Moment lief für Hans-Werner alles in Zeitlupe ab. Er lies Laura zu Boden gleiten, Fabienne entschlüpfte seiner Hand ...
    ... und mit einem lauten "Mami, Mami" rannten die beiden Kids auf ihre Mutter zu.
    
    Die sah Hans-Werner, riss die Augen weit voller Panik und Angst auf und schrie.
    
    "Raus! Er soll rausgehen! Ich will nicht, dass er hier ist! Weg, weg!"
    
    Frau Wagner versuchte sich aufzurichten, aber Andrea drückte sie vorsichtig zurück.
    
    "Langsam, du darfst dich noch nicht so heftig bewegen."
    
    "Nein, nein, nein. Ich will ihn nicht sehen. Er ist schuld. Er ist ein schlechter Mensch."
    
    Hans-Werner sackte in sich zusammen, drehte sich um und verließ das Zimmer. Leise schloß er die Türe hinter sich. Tränen der Enttäuschung liefen über sein Gesicht. Er setzte sich auf einen Stuhl ein Stück weiter den Gang hinunter. Sein Blick war leer und er nahm nichts wahr. Sie hasste ihn noch immer und war noch nicht bereit zu verzeihen. Würde sie ihm noch die Kinder anvertrauen? Nein, sicher nicht. Wie sollte sie ihm auch vertrauen?
    
    *
    
    Andrea sah, wie die Mädchen ihre Mutter umarmten und küssten. Sie waren von ganzem Herzen froh, dass sie sie sehen konnten und dass es ihr scheinbar wieder besser ging.
    
    Laura blickte sich um.
    
    "Wo ist Onkel Hans? Warum ist er nicht hier?"
    
    Felicitas Wagner stutzte. Wie hatte ihre Kleine den Kotzbrocken genannt? Onkel Hans?
    
    "Wieso nennst du Herrn Harting ( diesen Namen sprach sie nur mit Widerwillen aus ) Onkel Hans? "
    
    "Weil er so lieb zu uns ist", meinte Fabienne, "und weil wir bei ihm wohnen und er für uns sorgt. Schau, was für schöne Kleidchen er uns ...
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