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Der Kotzbrocken
Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... ziemlich rasant Karriere. Er war klug, manchmal auch gerissen und hatte eine sehr schnelle Auffassungsgabe. Bei Verhandlungen konnte er taktieren und strategisch denken. Nebenbei verdiente er sich mit Aktienspekulationen ein kleines Vermögen und war mit Ende Zwanzig schon so richtig reich. Er verliebte sich in die Tochter eines Vorstandes seiner Firma, die beiden fanden, dass sie das ideale Paar waren, sich liebten und gut zusammen passten. Sie zogen zusammen und heirateten. Hans-Werner wurde aufgrund seiner Erfolge als Gewinn für jede Firma angesehen und von der Sanox AG abgeworben. Er wurde als Prokurist und Abteilungsleiter bei der SOL engagiert, hatte einen großen Aufgabenbereich und verdiente sehr gut. Eine Berufung in den Aufsichtsrat als Nachfolger seines Vaters war scheinbar nur noch eine Frage der Zeit. Alles war wunderbar und das das Glück schien auf seiner Seite zu sein. Seine Frau wurde schwanger und die Geburt des ersten Kindes stand bevor. * Dann kam der Tag des Unheils. Seine Tochter kam tot zur Welt und seine Frau starb durch massiven Blutverlust und den hypovolämischen Schock bei der Geburt, als mehrere Adern platzten, die Blutungen nicht gestoppt werden konnten, bis dann schließlich ihr Herz versagte. Für Hans-Werner brach die Welt zusammen. All das, für das es sich zu leben lohnte, war nun weg. Für kurze Zeit geriet er in Versuchung, dem ein Ende zu bereiten, aber dann setzte sich sein Lebenswille durch. Er stürzte sich in ...
... seine Arbeit, kannte nichts mehr anderes. Keine Zeit mehr für soziale Kontakte, sogar von seinen Eltern und Schwiegereltern zog er sich zurück. Seiner Schwester Andrea, die Ärztin geworden war, ging er aus dem Weg und mied jeglichen Kontakt mit ihr. Er konnte ihr familiäres Glück und den Anblick seiner beiden Enkel emotional nicht verkraften. Er wurde zum Eigenbrötler, fast schon Einsiedler in dem großen Haus am Stadtrand, dass er ursprünglich für seine Familie gekauft hatte. Er verschloß die Zimmer seiner Frau und das geplante Kinderzimmer, überdeckte den Pool und legte die Sauna still. Er brauchte all diese Dinge nicht mehr. Er verließ das Haus nur wenn es unbedingt notwendig war. Zum Einkaufen, um in die Arbeit zu kommen und am Samstag, wenn zu dem Waldgrab seiner Frau und Tochter ging. Abends saß er auf einem Stuhl und starrte unbewegt über die Terrasse in den jetzt ungepflegten Garten hinaus. Es war dunkel und still im Haus. Keine Musik war von der großen Stereoanlage zu hören, denn das hätte er nicht ertragen. Und so wurde er zu dem Menschen, den die anderen kannten und fürchteten. * Felicitas Wagner saß ängstlich und nervös im großen Sessel im Vorzimmer des Prokuristen. Sie war eine zierliche Frau von 26 Jahren, eine ruhige Schönheit mit langem dunkelbraunen Haar, einer fast knabenhaften Figur und einem einnehmenden und freundlichen Wesen. Jetzt aber zitterte sie vor Angst, denn sie wußte, was auf sie zukam. Sie hatte die Vorladung zu einem Gespräch ...