1. Der Kotzbrocken


    Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... gekauft hat und noch viele andere Sachen. Wir waren beim Italiener essen, sind einkaufen gegangen und waren auf dem Spielplatz. Onkel Hans hat uns gebadet, in seinem Bett schlafen lassen und am Vormittag in den Kindergarten gebracht. Heute Nachmittag wollen wir in den Spielpark und nach dem Abendessen dürfen wir fernsehen. Ich hab ihn ganz toll lieb."
    
    "Ich auch, ich auch", stimmte ihr Laura zu.
    
    Je länger Fabienne sprach, desto größer wurden Felicitas Augen. Was sollte denn das? Ihre Mädchen mochten diesen Kerl, der beinahe ihr Leben ruiniert hatte? Sie konnte es einfach nicht glauben.
    
    Unsicher sah sie Andrea an.
    
    "Ich dachte, die Kinder wären bei deinem Bruder? Wie kommen sie denn zu dem K . . . .?"
    
    Gerade noch verschluckte die das Wort, das sie in Gegenwart der Mädchen nicht aussprechen wollte.
    
    "Soll das vielleicht heißen, dieser Kerl ist dein Bruder?"
    
    "Ja, dieser Kerl, wie du ihn nennst, ist mein großer Bruder. Er hat die Kinder nach deinem Unfall zu sich geholt und hat sich um sie gekümmert. Hätte er sie vielleicht in ein Heim geben sollen? Als ich gesehen habe, wie liebevoll er zu ihnen war und wie sie diese Zuneigung vergolten haben, hatte ich nichts mehr dagegen. Mein großer Bruder war früher mein Held, mein weißer Ritter, der mich immer beschützt und umsorgt hat." "Ja, warum ist er dann so ein A . . . . geworden?"
    
    Felicitas konnte gerade noch das Wort unterdrücken, denn sie wollte den Kindern kein schlechtes Beispiel geben.
    
    Andrea ...
    ... seufzte.
    
    "Ich erzähle es nicht gerne. aber HaWe hat vor 7 Jahren seine Frau und seine Tochter bei der Entbindung verloren. Das kannst du nicht wissen, weil du damals noch nicht bei Sanox gearbeitet hast. Seitdem hatte er sich total verändert; er ist so geworden wie du ihn kennst. Hart, unbarmherzig, grob und rücksichtslos gegen sich und andere, als wolle er sich selbst bestrafen für das, was ihm widerfahren ist. Und der Augenblick deines Unfalles hat diese Blockade der Menschlichkeit anscheinend wieder aufgehoben. Jedenfalls ist mein Bruder wieder so wie ich ihn von früher kannte. Nun liegt es an dir, Felicitas, wie es weiter geht."
    
    Felicitas lag wie erschlagen in ihrem Kissen. Sie hatte Mühe, das Gehörte einzuordnen und zu verdauen. Es klang einfach nicht nach dem, wie sie diesen "Harting" kannte.
    
    "Mami?"
    
    Sie zuckte zusammen. Fabienne hatte ihre Hand auf ihren gesunden Arm gelegt und streichelte sie vorsichtig.
    
    "Darf ich Onkel Hans holen, bitte? Er ist nicht böse, glaube mir. Laura und ich sind sehr gerne bei ihm. Er ist so lieb wie ein Papa, viel lieber als unser Papa."
    
    Diese Worte gaben einen Stich in Feli´s Brust. Laura hatte ihren Vater nicht mehr bewusst wahrgenommen, sie war noch ein Baby gewesen, als er sie verlassen hatte. Fabienne dagegen schon und ihr Vater war nicht gerade zärtlich und fürsorglich mit ihr umgegangen, so wie es ein Vater tun sollte. Mehr als einmal mußte sie einiges einstecken, wenn ihm etwas gegen den Strich ging. Und Harting, den sie nur ...
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