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Der Kotzbrocken
Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... immer nennt." "HaWe finde ich aber schön", bemerkte Fabienne und lachte ihn an. Hans-Werner verdrehte die Augen. "Oh Gott, Kinder, Kinder, Kinder. Lasst euch von den beiden Frauen nicht jeden Unsinn beibringen." Laura kam zu ihm gelaufen, krabbelte auf seinen Schoß, legte ihre kleinen Arme um seinen Hals und gab ihm einen Schmatzer auf die Wange. "Ich hab dich ganz doll lieb, Onkel HaWe", sagte sie im Brustton der Überzeugung. Felicitas und Andrea lachten. Hans-Werner seufzte. "Was soll ich denn da noch sagen? Vier gegen einen ist einfach unfair." Er ergab sich seinem Schicksal und kapitulierte vor dieser Übermacht. * Ein entspanntes und lockeres Gespräch nahm seinen Anfang. Hans-Werner hatte vergessen, dass er Felicitas Hand immer noch hielt und sanft ihren Handrücken streichelte. Er schaute in ihre braunen Augen und versank darin. Schmale Augenbrauen gaben ihrem Gesicht mit der geraden Nase und den geschwungenen Lippen ein faszinierendes Aussehen, das ihn in seinem Bann hielt. So wie jetzt hatte er sie noch nie wahrgenommen, als Frau und Mutter. Eigentlich war sie ihm immer als ein lästiges Ärgernis erschienen, das ihm nur Probleme bereitete. Und jetzt saß er an ihrem Krankenbett, hatte Laura auf dem Schoß und träumte mit offenen Augen. Die Unterhaltung floß an ihm vorbei wie ein träger Strom, der sich langsam in seinem Bett bewegte. Er sah nur noch Feli´s Augen und den Blick, mit dem sie ihn musterte. „He, HaWe, aufwachen! ...
... Schläfst du?" Hans-Werner zuckte zusammen und blinzelte erst einmal mit den Augen, als er aus seinem Traumland gerissen wurde. Andrea rüttelte ihn am Arm und grinste ihn breit an. Hans-Werner räusperte sich und ein Schuld bewußter Blick lag in seinen Augen. „Tut mir leid, ich war gerade woanders." „Ich habe es bemerkt", sagte Andrea und schaute ihn schmunzelnd an. „Darf ich wissen, wo du warst, Bruderherz?" Er schüttelte bestimmt den Kopf. „Nein, das ist persönlich." Jetzt bemerkte er, dass Felicitas ihre linke Hand auf seine gelegt hatte und seine Streicheleinheiten erwiderte. Meine Güte, wie gut sich das anfühlte. Wie lange hatte er das nicht mehr gehabt. Lange, viel zu lange. Seine Augen wurden feucht, als ihn die Emotionen zu übermannen drohte. Felicitas schien zu bemerken, dass etwas Besonderes in Hans-Werner vorging, denn ihr Händedruck wurde fester. Als ihr Blick sich mit dem ihres Gegenüber verschmolz, überzog sich ihr Gesicht mit einer zarten Röte. ´Was um Himmels Willen ist denn mit mir los?` stellte sie sich die Frage und hatte etwas Angst vor der Antwort. Nicht nur ihre Kinder mochten den . . . , den . . . , ja wie sollte sie ihn nennen? Nein, auch sie begann bestimmte Gefühle für Hans-Werner Harting in sich zu entdecken, die sie erschreckten. Konnte es sein, dass sie Sympathie für den Mann entwickelte, den sie bis vor kurzem noch so gehasst hatte? Sie schaute in seine braunen Augen, die sie mit tiefer Zuneigung statt voller Zorn und ...