1. Der Kotzbrocken


    Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... Einkaufen zurück.
    
    Ein Woche hatte er nun frei, bevor es wieder per Helikopter zum Statfjord-Ölfeld hinaus ging, wo er als Projektleiter für Forschung und Ölfördermanagement tätig war. Er war stolz, dass er es in kurzer Zeit so weit gebracht hatte. Die berufliche Ausbildung und seine ehemalige Tätigkeit bei SOL hatten ihm Tür und Tor geöffnet. Er hatte ein großes Aufgabengebiet mit viel Verantwortung und verdiente dementsprechend. Ein kleine Mietwohnung reichte ihm, da er immer für drei Wochen auf der Bohrinsel war und nur eine Woche im Monat an Land.
    
    Er war groß, schlank und hatte blondes Haar. Er war unauffällig und konnte als Norweger durchgehen, da er die Landessprache fließend und akzentfrei sprach. Dank seiner Mutter, die Norwegerin war, kannte er auch die Sitten und Gebräuche des Landes. In seiner Jugend hatte er oft die Sommerferien bei seinen Großeltern in Lyngdal verbracht. Keiner seiner Bekannten und Kollegen wußte so richtig, wer er wirklich war, da er ein wenig kontaktscheu war. Über seine Vergangenheit redete er nicht oder nur sehr vage und das aus gutem Grund.
    
    Aber jetzt hatte er erst einmal eine Woche frei; Angeln und Segeln war angesagt. Fröhlich vor sich hin pfeifend lud er seinen Volvo aus und trug seine Einkäufe zur Wohnungstür.
    
    Plötzlich merkte er dass er nicht mehr alleine war.
    
    Zwei ihm unbekannte Männer in unauffälliger Kleidung standen rechts und links von ihm und nahmen ihn in ihre Mitte.
    
    „Herr Wagner? Benjamin Wagner? Können wir mit ...
    ... ihnen reden?"
    
    Ein Ausweis wurde ihm vor das Gesicht gehalten.
    
    `Private Investigations Pinkerton` stand da geschrieben.
    
    Benjamin zuckte zusammen und erschrak. Tausend Gedanken rasten durch sein Hirn.
    
    Verdammt, wer hatte ihm Privatdetektive auf den Hals gehetzt?
    
    Felicitas? Nein, die hatte nicht die notwendige Kohle für so etwas.
    
    Die deutschen Behörden oder gar die Bundespolizei? Auch nicht wahrscheinlich, denn die hätten sich an die norwegischen Kollegen gewendet, damit die tätig würden. Er kam nicht drauf und seufzte.
    
    „Also gut, kommen sie mit rein."
    
    Benjamin Wagner bot den beiden einen Platz an, er war ja zivilisiert, dann fragte er.
    
    „Was führt sie zu mir?"
    
    „Wir kommen im Auftrag der Firma Sanox, ihrem ehemaligen Arbeitgeber. Es geht um die ausstehenden Zahlungen von Unterhalt für ihre Frau und die beiden Kinder für die letzten 34 Monate. Da ist einiges zusammen gekommen."
    
    Also doch Felicitas! Aber wie kam sie zu den „Pinkertons" bei dem geringen Verdienst, den sie hatte? Und wer von Sanox hatte die beiden auf ihn angesetzt?
    
    „Ihrer Frau wurde die Wohnung gekündigt, sie hat ihre Arbeitsstelle verloren und steht nun mit den beiden Mädchen auf der Straße. Und so hat sie einen Vorstand von Sanox um Hilfe gebeten und deshalb sind wir nun hier," flunkerte der Privatdetektiv ein wenig, um Benjamin unter Druck zu setzen. „Und jetzt haben sie zwei Möglichkeiten."
    
    Benjamin verbarg seinen Kopf kurz in beiden Händen. Dann schaute er seine Gegenüber ...
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