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Der Kotzbrocken
Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... Aber das Fahrzeug war geräumig, hatte einen bequemen Einstieg, große Fenster und einen riesigen Kofferraum mit Heckklappe. Es hieß so wie der Sherpa eines Golfspielers, der die Schläger und die Ausrüstung über den Platz schleppt ( um hier mal keine Werbung zu machen ). Er hatte einen großen Blumenstrauß dabei, der ihr förmlich den Atem nahm. Nicht einmal zu ihrer Hochzeit hatte sie so ein wunderschönes Gebinde bekommen. Hans-Werner hatte ihr aus ihrer Wohnung ein leichtes, buntes Sommerkleid mitgebracht. Sie verschwand hinter dem Wandschirm um sich mit Andrea´s Hilfe umzuziehen und dezent zu schminken. Hans-Werner hielt den Atem an, als er eine wunderschöne, vierbeinige Frau ( ihre eigenen und die zwei Krücken ) erblickte. Er nahm sie in seine Arme, schaute ihr tief und lange in die Augen und als er sie dann zärtlich küsste, jubelten die Kinder laut auf und freuten sich mit ihnen. * Sie gingen zum Auto, er half ihr galant in den Sitz, schnallte die beiden Mädchen in den Kindersitzen auf der Rückbank fest und setzte sich hinter das Steuer. „Und wohin jetzt?" fragte er sie lächelnd. Sie schaute ihn unsicher an. Was hatte er vor? In ihre Wohnung konnte es nicht gehen, denn mit den Krücken und ohne Aufzug käme sie niemals in den 3. Stock. „Zu dir?" wollte sie wissen. Hans-Werner schüttelte den Kopf und hielt die Liste in die Höhe auf der stand, was sie mit in die Reha nehmen musste. „Nö, erst shoppen", sagte er. „Du brauchst noch ein paar Dinge, die ...
... du am Montag mitnehmen musst." Er hob abwehrend die Hand, als sie widersprechen wollte. „Ich habe zwar schon vieles aus deiner Wohnung zu mir gebracht, aber ein paar Sachen müssen doch noch sein. Du sollst dort anständig aufkreuzen und nicht mit deinen alten Sachen." Felicitas wollte schon widersprechen, wusste aber dass Hans-Werner recht hatte. Einen neuen Trainingsanzug brauchte sie schon und mit ihren verwaschenen Nachthemden war kein Staat zu machen. Die Mädchen freuten sich, als sie hörten, dass es in das riesige Einkaufszentrum am Stadtrand gehen sollte, denn wenn sie mit Onkel HaWe zu zum Einkaufen gingen, dann fiel immer eine Kleinigkeit für sie ab. Felicitas ergab sich in ihr Schicksal, nachdem ihr Hans-Werner gedroht hatte, ihr die Krücken abzunehmen und sie durch die Geschäfte zu tragen. In seinen Augen erkannte sie, dass er diese Drohung durchaus wahr machen würde. Fabienne und Laura hörten gar nicht mehr zu kichern auf, als sie sich das bildlich vorstellten. Ihre kleine und zierliche Mama wie ein Baby auf den Armen des großen und starken Hans-Werner. Sie würde sich in Grund und Boden schämen und wäre wohl sicher das Tagesgespräch. Nein, nein, da fügte sie sich lieber, denn er meinte es wirklich nur gut mit ihr. * Die nächsten zwei Stunden folgte ein Einkaufsmarathon, der jeden vernunftbegabten Mann, also auch Hans-Werner bis an die Grenzen seiner Belastungsfähigkeit gebracht hätte. Was ihre Mutter wollte, das wollten die beiden Kids auch ...