1. Der Kotzbrocken


    Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... und nörgelten so lange, bis sogar Felicitas der Geduldsfaden riss und sie ein Machtwort sprach. Hans-Peter nickte zustimmend und plötzlich war Ruhe. Laura und Fabienne saßen bei Hans-Werner auf dem Schoß und sahen ihrer Mama zu, die trotz der Krücken souverän ihre Besorgungen machte.
    
    Hans-Werner hatte eine kleine Tüte saure Pommes besorgt und fütterte die Mädchen damit. Die schnitten wegen des säuerlichen Geschmacks dermaßen Grimassen, dass Felicitas vorbei kam und fragte, ob sie etwas gegen ihre Einkäufe hätten. Laura steckte ihr eine Pommes in den Mund und damit war alles geklärt. Feli machte weiter und lies sich durch nichts mehr stören.
    
    Kurz vor 13 Uhr knurrten bei den drei Damen vernehmlich die Mägen. Zeit für das Mittagessen. Im Erdgeschoß war ein guter Italiener und als Laura „Matensoße" rief, orderte Hans-Werner gleich eine große Serviette dazu, denn er hatte das Ergebnis vom letzten Mal noch vor Augen. Und als er auch noch die Spaghetti für Laura kleinschnitt, da erntete er von der Kleinen einen so beleidigten Blick, dass er und Fabienne laut lachten, während Felicitas verständnislos dreinblickte.
    
    Aber nach einer kurzen Erklärung kicherte auch sie, denn sie kannte die Essgewohnheiten ihrer Tochter.
    
    *
    
    Es wurde ein lustiges und kurzweiliges Einkaufen. Felicitas war lange nicht mehr so entspannt und fröhlich gewesen. Immer wieder schaute sie zu Hans-Werner hinüber, der mit den Kindern scherzte und ihr Komplimente machte.
    
    Wie lange war es her, dass ein ...
    ... Mann sie bewunderte und als gleichberechtigte Partnerin ansah. Und gerade von ihm hatte sie sich das niemals vorstellen können. Jetzt aber saß sie ihm gegenüber, schaute ihn an, hörte ihm zu und fragte sich, was geschehen wäre, wenn sie ihm ein paar Jahre früher begegnet wäre.
    
    Dann wäre vielleicht sie seine Frau, Fabienne und Laura wären seine Kinder und . . . .
    
    `Hör auf zu träumen, dumme Gans´ schimpfte sie sich. Er wäre niemals mit ihr zusammen gekommen. Die Klassenunterschiede wären einfach zu groß gewesen. Seine Frau war wohlhabend wie er gewesen und sie war doch nur ein armes Arbeiterkind. Tränen stiegen ihr in die Augen.
    
    Hans-Werner legte seine Hand auf ihren Unterarm. Er schaute sie an, als ob er spüren würde, was ihr durch den Kopf ging.
    
    „Keine Angst, Liebes, es wird alles gut werden", sagte er und streichelte ihre Hand. „Ich werde immer für euch da sein und niemals im Stich lassen. Ganz bestimmt nicht, denn ich liebe euch alle drei. Ihr habt mein Leben geändert und dafür gesorgt, dass ich wieder wie ein normaler Mensch Gefühle habe und dafür bin ich euch sehr dankbar. Nein, dankbar ist nicht der richtige Ausdruck. Es ist mehr, unendlich viel mehr."
    
    Er machte eine kurze Pause und blickte die Drei an.
    
    „Wenn ihr es erlaubt, möchte ich gerne mit euch wie eine richtige Familie leben, mit allen Konsequenzen. Felicitas, ach verdammt noch mal, entschuldige bitte, ich habe mich in dich und deine Kinder verliebt und möchte nicht mehr ohne euch leben. Kannst ...
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