1. Der Kotzbrocken


    Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... sahen.
    
    Hans-Werner lud das Gepäck ins Auto, legte die Krücken vorsichtshalber hinter die Rückbank. Als sie gerade einsteigen und losfahren wollten, kam seine Mutter noch kurz vorbei, um Felicitas zu verabschieden. Dann drückte sie ihr einen Briefumschlag in die Hand und meinte: „Ein bisschen Taschengeld, damit du dir in der Reha etwas leisten kannst."
    
    Verlegen erwiderte Felicitas, dass ihr schon Hans-Werner schon ausreichend Bargeld zugesteckt hätte und dass das doch sicher nicht notwendig wäre. Hans-Werner, der wahrscheinlich mehr Geld hatte als seine Eltern, stand daneben und grinste, als Marianne meinte:
    
    „Doch, doch, das bekommt mein Sohn auch immer von mir, also kriegt es seine Frau auch."
    
    Sie ließ sich nicht erweichen, das Geld wieder zurückzunehmen und riet ihr, sich etwas Schönes dafür zu kaufen.
    
    Dann umarmte sie Felicitas noch einmal, knuddelte die Kinder und mit den Worten „Ich muss los, habe um Neun eine Verhandlung", brauste sie auch schon wieder davon.
    
    „So ist sie halt, meine Mam", sagte Hans-Werner, „und jetzt los, nicht dass wir zu spät kommen."
    
    *
    
    In der Rehaklinik besorgte sich Hans-Werner einen Wagen, wo er das Gepäck von Felicitas auflud, die Kinder drauf stellte und dann Felicitas fragte:
    
    „Willst du mitfahren, oder gehst du lieber zu Fuß, Schatz?"
    
    „Untersteh dich, mich da drauf zu stellen. Heute ist doch nicht Sperrmüll. Die Mädchen kannst du herum kutschieren, ich gehe lieber. Die nächsten Wochen bin ich sowieso viel auf den ...
    ... Beinen unterwegs, also gewöhne ich mich schon mal daran."
    
    An der Anmeldung holte sich Felicitas ihren Zimmerschlüssel und ein Informationsblatt ab, meldete TV und Telefon an und ihr wurde gesagt, dass um 11 Uhr eine Begrüßung und Einweisung im großen Speisesaal stattfinden würde. Nach dem Mittagessen könnte sie dann ihre Koffer auspacken und um 15 Uhr hätte sie den Termin für die Eingangsuntersuchung bei der Stationsärztin.
    
    Nachdem sie das Gepäck auf das Zimmer gebracht hatten, gingen Hans-Werner und die Kinder noch mit zum Speisesaal, wo schon ein paar andere Patienten warteten.
    
    Hans-Werner und Felicitas verabschiedeten sich mit einem so langen und leidenschaftlichen Kuss, dass Fabienne ihre Mutter am Rock zog.
    
    „Mama, du musst rein. Du kommst sicher zu spät, wenn du Papi nicht los lässt."
    
    Die Umstehenden lächelten und nickten Fabienne verständnisvoll zu.
    
    Laura klammerte sich an Hans-Werners Hosenbein fest, ihr war das Ganze nicht geheuer. Er nahm sie auf seinen Arm, so dass sie sich richtig von ihrer Mutter verabschieden konnte. Auch Fabi wurde von Felicitas noch einmal innig umarmt und mit einem sehnsuchtsvollen Blick und einem geflüsterten „bis zum Wochenende, Liebling" für Hans-Werner ging sie zum Empfang.
    
    Hans-Werner nahm Fabienne an der Hand, dann kehrten sie zum Auto zurück.
    
    *
    
    Auf dem Heimweg hielt er kurz an und fragte die Mädchen.
    
    „Wie sieht es aus? Wollt ihr weiterhin im Gästezimmer schlafen, oder würdet ihr gerne in das Kinderzimmer ...
«12...414243...56»