1. Der Kotzbrocken


    Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... Auto. Ungläubiges Gemurmel war zu vernehmen.
    
    Das war der ˋKotzbrocken´? Kaum zu glauben, so menschlich hatte ihn noch keiner erlebt. Die Diskussion über das Geschehene ging noch eine ganze Weile hin und her, bis sich alle auf den Heimweg gemacht hatten.
    
    *
    
    Hans-Werner setzte die beiden Mädchen auf die Rückbank seines Wagens und schnallte sie so gut es ging mit dem Sicherheitsgurt fest. Er hatte natürlich keine Kindersitze in seinem Bentley Continental und ermahnte die beiden schön vorsichtig zu sein und still sitzen zu bleiben. Die Ältere nickte ernsthaft und fasste ihre kleine Schwester an der Hand.
    
    Hans-Werner ging in die Knie.
    
    "Ich glaube, wir sollten uns erst einmal bekannt machen," sagte er. "Ich weiß ja noch nicht einmal wie ihr heißt. Mein Name ist Hans-Werner Harting, oder kurz, wenn es euch besser gefällt, Hans. Und wie heißt ihr?"
    
    "Ich bin Fabienne", erwiderte die Große, "und meine Schwester heißt Laura."
    
    "Mama sagt aber immer Kotzbrocken zu dir", meinte die Kleine ganz unschuldig.
    
    "Pssstt! So was sagt man nicht", flüsterte ihr Fabienne zu und schaute ängstlich zu Hans-Werner.
    
    "Da hat deine Mami nicht ganz unrecht," gab er zu. "Vielleicht war ich nicht immer so nett, wie ich es hätte sein müssen. Aber ich hoffe, ich habe mich geändert, oder ich bin gerade dabei, es zu tun. Seid mir bitte nicht allzu böse. Ich will nicht mehr der ˋKotzbrocken´ sein. Jetzt fahren wir drei in Krankenhaus uns schauen, wie es eurer Mutti geht und danach sehen ...
    ... wir weiter."
    
    "Wo sollen wir denn hin?", weinte Laura. "Bei uns daheim ist keiner mehr."
    
    "Wenn Mama in der Klinik bleiben muss, dann sind wir ganz alleine, Oma und Opa wohnen doch so weit weg", fügte Fabienne hinzu.
    
    "Das seid ihr nicht", meinte Hans-Werner. "Ich werde auf euch aufpassen und ihr könnt bei mir wohnen, bis eure Mutter wieder nach Hause darf. Ich habe ein Haus und da ist genug Platz für alle."
    
    "Auch für Mami?", fragte Fabienne.
    
    Hans-Werner schluckte.
    
    "Warten wir es ab", sagte er zögernd, "wenn sie es will und wenn sie Hilfe braucht, warum nicht. Nun aber los. Haltet euch gut fest."
    
    Er stieg ein, startete den Motor und fuhr ins Spital.
    
    *
    
    Im Krankenhaus angekommen fragte sich Hans-Werner durch. An der Information wurde ihm mitgeteilt, dass Frau Wagner noch im OP sei, aber die Schwester konnte ihm sonst keine weiteren Auskünfte geben.
    
    Also suchte er sich einen Platz in der Nähe der Orthopädie und den Operationssälen. Laura wurde langsam müde und so nahm er sie auf seinen Schoß und schloß seine Arme um sie, damit sie nicht herunter fallen konnte. Sie legte ihr Köpfchen an seine Brust und war sofort eingeschlafen. Dann gab er Fabienne einen aufmunternden Wink und wies auf seine rechte Seite. Fabi kletterte auf das lederne Sofa, kuschelte sich an Hans-Werner, blieb aber noch wach. Die Sorge um ihre Mutter ließ sie so schnell keinen Schlaf finden.
    
    Hans-Werner sprach in leisem Ton zu ihr, tröstete sie und sagte, dass schon alles wieder in ...
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