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Polyamorie 02
Datum: 01.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byBlackHatNCat
... auf einem Bild", schlug Yasi mit einem Augenzwinkern vor. „Ein Katzenmotiv würde viel besser zu dir passen. Im Netz gibt's megaviele, auch erotische, falls du so was willst", nahm Lisa Yasis Äußerung zum Anlass, sie auch von einem Tattoo überzeugen zu müssen. „Niemals! Ich würde mir nie ein permanentes Tattoo stechen lassen. Das ist nichts für mich. Höchstens ein paar Henna auf der Hand oder dem Arm. So was habe ich schon öfter gemacht, die gehen wieder weg. Die hat man nicht immer und kann sich irgendwann ein neues Motiv aufmalen", entgegnete Yasi und tauschte die Haarschneidemaschine gegen die Schere. Sie machte mir keinen kompletten Kurzhaarschnitt, sondern brachte meine Haare schnell und präzise in Form. Insgesamt ging bei mir das Haareschneiden fix. Fast schon zu fix. „Wo hast du denn Männerhaarschnitte gelernt, bei Lena sicher nicht?", staunte ich. „Wenn meine Mutter zu müde von der Arbeit war und Baba auch geschnitten werden wollte, habe ich das bei ihm gemacht." „Und ab und zu bei Alex", ergänzte Lena. „Bei dem brauchte ich doch nur zwei Millimeter einstellen und drüber mähen. Das war doch kein Haarschnitt." Yasi tat es mit einem Mundzucken ab. „An seiner Stelle hätte ich sie ganz abrasiert. Dann hätte man den grauen Ansatz nicht gesehen. Das wirkt jünger." Bei ihrer Erzählung kamen Erinnerungen an meinem verstorbenen Bruder hoch. Mag sein, dass Yasi damit recht hatte: Mit einer Glatze hätte er jünger gewirkt, als mit seinen kurzen, grauen ...
... Haaren. Zumal Alex auch schon einen lichten Schopf hatte. Doch es war auch sein Markenzeichen, so kannte ich ihn seit Jahren. Dieses Bild schwebte mir immer vor, wenn ich an ihn dachte. Es fiel mir schwer, meinen geliebten Bruder komplett ohne Haare vorzustellen, das Schicksal hatte mir leider jede Möglichkeit geraubt ihn irgendwann so zu erleben. Mit meinen Gedanken bei ihm, bemerkte ich nicht, dass Yasi auf mir saß und mich ansah. „So, fertig! Mir gefällst du. Schau mal in den Spiegel." Obwohl sie es sagte, machte Yasi keine Anstalten, sich zu erheben. Sie blieb weiter auf mir sitzen und betrachtete mich. Sie musste meine grüblerische Stimmung mitbekommen haben. Besorgt fragte sie nach: „Hey, was ist los? Ist alles in Ordnung?" Zärtlich fuhr sie mir mit den Fingerspitzen über die Wange. „Ja, es ist nur ..." „Papas Bruder, Onkel Alex ... du weißt schon Yasi", half Lisa nach. „Oh Mann, ich Dummnudel. Daran habe ich gar nicht gedacht. Entschuldige ... Entschuldige ... Ent ... schul ... di ... ge." Zwischen jeder Silbe gab sie mir einen Kuss auf dem Mund. Ich schob sie von mir. „Ist schon okay. Manchmal denke ich halt an ihn. Was wir erlebt haben, oder was wir nie zusammen erleben werden. Das ist nicht deine Schuld." Sei es, um mich auf andere Gedanken zu bringen oder um mich aufzumuntern, zog sie mich vom Stuhl und schleppte mich in den Flur. Im Spiegel betrachtete ich ihr Werk. „Mmh, sieht prima aus." Ich fuhr mir durchs Haar. „Ist nicht zu kurz, wie vom ...