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Polyamorie 02
Datum: 01.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byBlackHatNCat
... so spät noch, es ist nach sechs?" Stellte ich mit einem Blick zum Wecker fest. Draußen war es längst dunkel. Im Flur brannten die zahlreichen Lichterketten und Kerzen. Ohne das Deckenlicht anzumachen, ging ich zur Tür. Der Eingangsbereich war hell erleuchtet. Durch die dekorierte Scheibe in der Tür erkannte ich undeutlich eine Person. Erinnerungen kamen hoch. Letztes Mal, als wir drei im Bett von einem Klingeln an der Tür unterbrochen wurden, stand der Polizist davor. Er überbrachte uns die schlimme Nachricht vom Autounfall, bei dem unsere Familienangehörigen zu Tode kamen. Kopfschüttelnd machte ich mir klar, das konnte diesmal nicht der Fall sein. Meine gesamte, noch lebende Familie lag ja im Schlafzimmer im Bett. Ich drehte den Schlüssel im Schloss herum und drückte die Klinke herunter. Kaum hatte ich die Tür einen Spalt geöffnet, blies mir eiskalter Wind um die Beine und ... die davor wartende Person stürzte herein. Sie sprang mich wie eine Katze an. Die Arme um meinen Hals geworfen und die Beine um die Hüfte geklammert, gab sie mir Küsse über das ganze Gesicht. „Ich will bei dir bleiben! Ich will bei dir sein! Ich liebe dich! Ich liebe dich! Bitte, kann ich bei dir bleiben?" Ihr süßer Duft, die orangefarbene Wollmütze und dieser unverkennbare, katzenhafte Sprung, hatten sie sofort verraten. „Yasi!" Durch ihre dicke Winterjacke spürte ich Yasmins Herz rasen. Sie rutschte an mir herunter und sah mich erwartungsvoll mit großen, verheulten Augen ...
... an. Ich schluckte. Mein Herz machte vor Freude einen Salto. In dem Moment realisierte ich: Erst mit Yasi war mein Glück perfekt! „Yasi ... Oh Yasi! Natürlich darfst du!" So fest ich konnte, hielt ich meine Liebe an mich gedrückt. In Gedanken fügte ich hinzu:...und ich werde dich nie wieder gehen lassen! Hinter uns vernahm ich Geräusche. Lena und Lisa standen schweigend Hand in Hand in ihrem Elfen-Kostüm vor der Kommode und schauten zu uns rüber. Zögernd ging Lena auf Yasi zu. Im Flüsterton und mit unterdrückten Tränen in den Augen sagte sie: „Schön, dass du da bist. Wir haben dich vermisst. Wir beide." Sie fielen sich in die Arme und heulten gleichzeitig los. Trotz des kalten Windes war mir warm geworden. Ich zog Yasis Koffer in den Flur und schloss die Eiseskälte endgültig aus. Yasi, Lena und ich saßen im Wohnzimmer auf dem Sofa, als Lisa mit einem Tablett mit Tassen und einer Kanne Tee hereinkam. „Hier gibt es erst mal was zum Aufwärmen. Leckeren Weihnachtstee und selbst gebackene Plätzchen." Lisa war noch immer in dem kurzen, grünen Rock und den langen Strümpfen gekleidet. Auf dem Kopf musste natürlich die Wichtel-Kappe sein. Über ihrer Schulter balancierte sie Lenas und meine Weihnachtsmützen. Im Vorbeigehen griff sich Lena ihre und setzte sie auf. Nachdem Lisa das Tablett auf den Tisch gestellt hatte, reichte sie mir meine. „Im Übrigen, der süße Wichtel ist Lisa", stellte ich sie vor. „Engelchen, das ist Yasmin, Lenas Freundin aus Nürnberg." „Das ist ...