1. Die Burg Kapitel 01


    Datum: 25.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor

    ... andernorts entweder als Unkraut ausgerissen, oder einfach übermäht worden wären. Viele Insekten brauchten jedoch gerade Pflanzen wie Brennnesseln, um sich fortzupflanzen. Hier tobte das Leben.
    
    Der Herbst zeigte sich in vielen Farben und wies zugleich die Vergänglichkeit hin. Dies wurde einem auf einem Friedhof erst recht bewusst. Doch trotzdem mochte ich diese Jahreszeit.
    
    Besonders schön wurde es im Winter, wenn es geschneit hatte. Dann legte sich der reine Schnee über die Gräber und deckte alles unter einer weißen Decke zu. Selbst dann wandelte ich zu gerne zwischen den Reihen der Steine hindurch und dachte darüber nach, was die Menschen, die hier lagen, wohl in ihm Leben erlebt hatten. Wie viel Freude und auch Leid war mit ihnen begraben worden und wer dachte noch an sie.
    
    Ich wusste es nicht und manches Mal, gerade im Winter, fragte ich mich, wer an mich denken würde, wenn ich nicht mehr war.
    
    Eine Frau hatte ich nicht, Kinder auch nicht. Mit mir würde die Erinnerung an mich sterben. Dies hatte mich in einem Winter so betrübt, dass ich damit anfing, in die Unterseite jedes Grabsteins meinen Namen einzugravieren. So konnte man dort immer lesen: Gemacht von Jens am ..., und dann kam das Datum.
    
    Da es darunter stand, konnte es niemand sehen, aber ich bildete mir ein, dass irgendwann dieser Stein abgetragen wurde und irgendwer würde es lesen. Er kannte mich zwar nicht, aber er würde es lesen und vielleicht einen Moment innehalten und darüber nachdenken, wer ...
    ... ich gewesen war.
    
    Mein Chef hatte zwar etwas seltsam geschaut, wenn ich das machte, aber da es niemand zu sehen bekam, hatte er nichts dagegen, solange ich die Gravur in meiner Freizeit anbrachte.
    
    Aber das war vorbei und wie gesagt, war ich auf der Suche nach einer neuen Arbeit. Hierbei wollte ich am liebsten etwas Anderes, Kreativeres machen, denn nur Grabsteine waren keine Herausforderung. Künstlerisch war ich allerdings nicht sonderlich begabt. Ich hatte mehrmals versucht aus einem Stein etwas Schönes zu machen, aber wenn ich keine Vorlage hatte, kam dabei nichts Ansehnliches raus. Ich bewunderte Bildhauer, die dieses konnten. Dabei sah es so einfach aus.
    
    Wie hieß es so schön:
    
    „Wenn du einen Löwen machen willst, nimmst du einen Stein und schlägst alles weg, was nicht nach Löwe aussieht."
    
    Wenn ich einen Löwen machen wollte, kam dabei nicht einmal etwas heraus, was einem Kätzchen glich. Also ließ ich es und stellte meine gut gemeinten Skulpturen, als moderne Kunst in einen Stadtpark, wenn keiner hinsah. Soweit ich weiß, stehen dort noch ein paar von den Dingern und manches Mal geht vielleicht jemand daran vorbei und fragt sich, was das darstellen sollte. Vielleicht ärgerte sich auch manch einer darüber, denn er vermutete, dass die Stadt oder Gemeinde viel zu viel Geld für so einen Schrott ausgegeben hatte.
    
    Aber auch so blieb ein Teil von mir erhalten, nur wusste keiner, dass ich es gewesen war.
    
    Einen neuen Job zu bekommen, war nicht einfach. Die meisten ...
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