1. Feuer und Wasser


    Datum: 30.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... verhältst."
    
    "Ach, Arne, das ist nicht so einfach für mich. Du kennst doch meine Situation. Wenn es nur um mich geht, dann wäre es leichter. Aber ich habe ja auch noch Ramona. Und die soll so etwas nicht noch einmal durchmachen müssen. Einmal ist genug."
    
    "Ich verstehe dich, Vira. Aber denk doch mal an deine Tochter. Sie ist fast achtzehn und das Ganze ist schon mehr als sechs Jahre her. Willst du sie denn ewig behüten und vor der Welt beschützen. Sie hat das Recht auf ihr eigenes Leben. Lass sie ihre eigenen Erfahrungen machen, unterstütze sie und stehe ihr bei. Aber lass ihr bitteschön etwas Freiraum. Wo dein Ex ein Draufgänger und Haderlump bis hin zur Kriminalität war, da ist Jürgen eher schüchtern und zurückhaltend. Oder hat er dich schon einmal dumm und ungebührlich angeschwätzt?"
    
    "Ja, das weißt du doch. Du hast doch mitgekriegt was er geantwortet hat, als ich ihn gefragt habe, warum er mich so anstarrt, oder nicht?"
    
    "Klar, er hat gesagt, dass er dich so anschaut, wie er jede schöne Frau anschauen würde. Was ist daran so ungebührlich?"
    
    "Er kann doch nicht einfach so sagen, dass ich . . . äh . . "
    
    "Er kann also nicht sagen, dass er dich für eine schöne Frau hält, Elvira? Wirklich nicht? Dann schau dich zuhause mal genau im Spiegel an. Ganz neutral, ohne böse zu schauen und ohne wütend zu sein. Was siehst du dann? Eine Frau mit einem schönen Gesicht, mit ausdrucksvollen Augen, sinnlichen Lippen und einer voll erblühten Figur. Mädchen, ich mag ein alter ...
    ... Mann sein, aber das fällt sogar mir auf. Und glaubst du vielleicht, dass Jürgen blind ist? Er hat vielleicht keine großartige Erfahrung mit Frauen und ist deshalb so schüchtern und zurückhaltend, aber ihm ist auch sofort aufgefallen, wie hübsch, nein wie schön du bist. Jeder andere Mann hätte doch bei deiner „Freundlichkeit" längst die Flucht ergriffen. Und er? Hat er? Nein, er hat nicht, er ist geduldig, er ist beharrlich. Er sieht etwas in dir, das nur er erkennt und das er an dir schätzt und mag. Und am ersten Tag als er wieder da war, da hat er am Morgen auf dich gewartet, weil er dich sehen wollte, weil er gehofft hat, dass du vorbeikommst. Also mach dir mal darüber deine Gedanken und wenn du zu einem Ergebnis kommst, dann handle entsprechend."
    
    Elvira hatte Tränen in den Augen, als sie Arne ansah. Sie gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange.
    
    "Danke Arne, danke für alles. Du bist ein wahrer Freund, ein Mann, auf den man sich verlassen kann. Ich werde niemals vergessen, was ihr für uns getan habt und ich werde auf deinen Rat hören, weil er von Herzen kommt und ehrlich gemeint ist. Aber ich brauche noch Zeit dafür, denn ich muss es genau abwägen und überlegen. Ich bin froh, dass du mich nicht drängst. Ich werde zu einer Entscheidung kommen und du wirst sie erfahren. Danke."
    
    Elvira umarmte ihn noch einmal, dann ging sie nachdenklich heim.
    
    *
    
    Am nächsten Morgen saß Jürgen wieder an der gewohnten Stelle und wartete auf Elvira.
    
    Wieder wurde sie etwas langsamer, ...
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