1. Feuer und Wasser


    Datum: 30.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... Fußballklub der französischen Hauptstadt zu tun, sondern heißt ganz einfach Pfeffer, Salz, Curry und Paprika. Das sind die vier Gewürze, mit denen eine deutsche Hausfrau durch ihr Leben kommt. Ich habe schon Kurse im Würzen gegeben und mir wurde hinterher bestätigt, dass es anders und besser geschmeckt hat."
    
    Alles schön und gut, Jürgen hatte eine moderne Küche, viele Gewürze und Kräuter und immer noch keinen blassen Dunst, wie man sich ein schmackhaftes Essen zubereitet.
    
    Also machte er eine Tiefkühlpizza auf, schob sie in den Ofen und hatte zwanzig Minuten später wenigstens etwas Warmes im Magen.
    
    *
    
    Gut gestärkt machte er sich mit seinem Klapprechner auf den Weg ins Café. Er wollte seine vormittäglichen Ergüsse noch einmal durchlesen, eventuell korrigieren und in eine druckbare Form bringen.
    
    Und natürlich hoffte er Elvira zu sehen. Treffen konnte man nicht sagen, denn das einzige, was sie miteinander geredet hatten, das war ihre Tirade. Und so etwas brauchte er nicht noch einmal. Da schaute er sie lieber nur an und sagte nichts.
    
    Jürgen sah sich seine Niederschrift vom Vormittag durch und wunderte sich. Was hatte er denn da geschrieben? Um das in seiner „Bannister-Serie" unterzubringen, musste er es gehörig umschreiben. Er las es noch einmal. Für einen Roman mit sozialkritischem Touch und viel Emotionen würde es sich hervorragend eignen, viel mehr noch als eine Grundlage für eine Liebesgeschichte. Und so was hatte er geschrieben, er, ein Mann ohne jegliche ...
    ... Erfahrung in solchen Dingen.
    
    *
    
    Dazu muss noch etwas gesagt werden. Jürgen hatte vor einigen Jahren einmal ein Paar Filme nach Büchern von Rosamunde Pilcher angeschaut und war maßlos enttäuscht. Schlechte und unmotivierte Regisseure, zweitklassige Schauspieler und alles zeitlich auf so engem Raum gequetscht, so dass oft der logische Zusammenhang fehlte.
    
    Rosapinde Mulcher, Rosapunde Milcher, Rosamulche Pinder, das waren die Namen, die er daraufhin der Schriftstellerin gab.
    
    Und dann bekam er das erste Buch von ihr in die Hand und war gefesselt. Klare Handlungen, ein hervorragender Schreibstil und sie konnte Gefühle ausdrücken, wie er es niemals zusammenbringen würde.
    
    Er begann sie zu verehren, als er beim Studium ihrer letzten Werke ihr Alter erfuhr. In dem hohen Alter noch solche schriftstellerischen Leistungen zu erbringen, das forderte ihm Hochachtung und Anerkennung ab.
    
    Und ganz langsam begann auch er seinen Stil zu wandeln, brachte statt nüchterner Sachlichkeit und fast schon klinischer Neutralität etwas mehr Emotionen und Gefühle in seine Geschichten. Das zahlte sich aus, obwohl er heftig bestritt, anders zu schreiben als früher.
    
    *
    
    In seinem Kopf begann es zu rattern. Zweigleisig zu schreiben würde viel Arbeit und einiges an Gehirnschmalz erfordern und ob er das zusammen brachte, musste er erst noch eruieren.
    
    Plötzlich war ihm, als würde er beobachtet. Er blickte hoch und schaute Elvira, die an der Kasse stand und ihren Einkaufswagen einräumte, ...
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