1. Feuer und Wasser


    Datum: 30.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... es Jürgen nicht aufbaute. Irgend etwas schien an ihm zu nagen und trübte seine Laune.
    
    Er bat Arne mit ihm nach Hause zu kommen, um ihm den Entwurf für seinen zweiten Roman zu zeigen und seine Meinung darüber zu erfahren. Da er ja selbst schon mehrere geschrieben hatte, konnte Arne ihm vielleicht sagen, wo etwas zu ändern oder zu verbessern wäre.
    
    Arne nahm sich sehr viel Zeit, las einige Abschnitte flott, andere sehr gründlich durch. Zwischendurch tranken beide Kaffee, redeten aber so gut wie kein Wort. Arne saß am Computer und dem großen Monitor, während Jürgen in der Zeit wieder am Laptop an einer neuen Episode seiner Serien schrieb.
    
    Nach mehr als zwei Stunden schaltete Arne den Rechner aus und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
    
    Jürgen sah ihn erwartungsvoll an.
    
    „Beeindruckend, sehr bewegend und intensiv", meinte er und schaute Jürgen an.
    
    „Aber ist es wirklich das, was dich bewegt? Ist es das, was dich die ganze Zeit umtreibt? Du schreibst sehr gut, sehr umfangreich und der Leser wird von der Handlung gewiss beeindruckt sein und mitgenommen werden. Aber es kommt nicht aus deiner Seele, Jürgen, das bist nicht du. Du hältst zu viel zurück, bleibst stellenweise an der Oberfläche, genau so wie du es in deinem Verhältnis zu Elvira machst."
    
    Bei dem Wort „Elvira" liefen Jürgen plötzlich, ohne dass er es verhindern konnte, die Tränen über das Gesicht und er konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Er war die Woche über nicht aus dem Haus gegangen, hatte sie ...
    ... also auch nicht gesehen. Sogar wenn sie beim Putzen war, ist er nicht ans Fenster gegangen, nur um sie nicht sehen zu müssen. Denn sie zu sehen, das tat ihm sehr weh, zumal er bisher nicht den Mut aufgebracht hatte, ihr einmal richtig gegenüber zu treten und ein Zwiegespräch zu beginnen oder einzufordern.
    
    Er war ein Feigling!
    
    Er hatte Angst, einen Korb zu bekommen, sich eine Absage einzuhandeln, eine Abfuhr zu kassieren oder wie man es auch immer nennen wollte. Sogar wenn er von Vira träumte, wachte er immer dann auf, wenn sie zu ihm sagte, dass alles aus und vorbei sei, bevor es überhaupt angefangen hatte. Dann saß er lange wach in der dunklen Wohnung und grübelte vor sich hin, weil er nicht mehr schlafen konnte.
    
    Arne legte ihm die Hand auf den Arm und drückte ihn.
    
    „Wir machen am Samstag wieder auf und dann möchte ich dich bei uns sehen. Mach dir keine Hoffnungen, Elvira ist mit Ramona in die Ferien gefahren, sie wird also nicht da sein. Aber du musst wieder unter Menschen, sonst gehst du ein. Und werde dir gefälligst klar, was du willst, Jürgen. Wenn du sie wirklich liebst und willst, dann sage es ihr endlich, verdammt noch mal, denn ihr geht es genau so beschissen wie dir."
    
    Arne machte eine kurze Pause.
    
    „Ihr seid beide in einer verhängnisvollen Routine gefangen, aus der ihr endlich ausbrechen müsst. Macht reinen Tisch und egal wie das Ergebnis ist, dann wird endlich Klarheit zwischen euch herrschen.
    
    Ich habe dir übrigens ein paar Stellen in deinem Roman ...
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