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Feuer und Wasser
Datum: 30.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... angestrichen, wo ich der Meinung bin, das bist nicht du, der da schreibt, sondern ein Außenstehender. Lies es noch einmal durch und wenn du meiner Meinung bist, dann ändere es. Wenn nicht, dann lass es so. Und nun geh ich heim, bevor Melanie und die Kinder noch eine Vermisstenanzeige aufgeben. Mach´s gut, mein Junge und denke dran, am Samstag will ich dich bei uns sehen." * Nachdem Arne gegangen war saß Jürgen noch eine Zeitlang am Tisch, dann klappte er, nachdem er gespeichert hatte, sein Laptop zu und ging zum Schreibtisch. Der große Monitor war nach der langen Zeit, die er nicht mehr benutzt worden war, in den Ruhemodus gegangen, aber als Jürgen die Maus antippte, erschien das zuletzt geöffnete Fenster wieder. Er scrollte durch den Text, schaute sich die Passagen an, die Arne markiert hatte und überlegte lange. Arne hatte recht. Das war nicht er selbst gewesen, der das geschrieben hatte. Das war ein Dritter, ein Unbeteiligter, der etwas geschrieben hatte, was nicht seine wirkliche Überzeugung war. Er holte sich noch einen Kaffee, setzte sich hin und begann auszubessern oder gleich neue Teile einzufügen. Er konnte sich mit dem Schreiben Zeit lassen, denn Elvira war in den Ferien mit ihrer Tochter zu Verwandten gefahren und würde frühestens in zwei Wochen wiederkommen. Er fing wieder an am Morgen zu laufen, setzte sich auf sein Mäuerchen und obwohl er wusste, dass Vira nicht da war, so war er doch enttäuscht sie nicht zu sehen. Immer häufiger musste ...
... er sich eingestehen, dass er sie sehr vermisste. Ja noch schlimmer, er stellte fest, dass er immer noch unrettbar in sie verliebt war. Und diese Erkenntnis warf ihn für den ganzen Tag aus der Spur und es war nichts mit ihm in dieser Zeit anzufangen. Zum ersten Mal seit langer Zeit sprach er mit seinen Eltern am Telefon über persönliche Dinge, nicht das Zeug das man sich immer so erzählt, nein, er schüttete seiner Mutter sein Herz aus und erzählte ihr, wie zerrissen er momentan war. Auf der einen Seite sein kommerzieller Erfolg, auf der anderen Seite sein Dilemma im Umgang mit der Frau, in die er sich verliebt hatte. Seine Mutter tröstete ihn und machte ihm Mut, seinen Weg zu gehen, so konsequent, wie er es auch beruflich getan hatte. Nach diesem Gespräch ging es ihm langsam wieder besser. * Wie er es versprochen hatte, machte er sich am Samstagmorgen auf den Weg zur Eisdiele. Aber vorher wollte er im Café frühstücken. Er war jetzt mehr als eine Woche nicht mehr dort gewesen und es fehlte ihm schon ein bisschen. Die freundliche Atmosphäre, das geschäftige Treiben und die vielen Menschen, von denen er schon eine ganze Menge zumindest vom Sehen her kannte und die ihn freundlich grüßten und ihm zunickten. Als er die Passage zum Café entlang ging und versonnen die Unzahl an Blumen und Pflanzen betrachtete, die hier präsentiert wurden, da vernahm er plötzlich ein schüchternes „Guten Morgen". Er schaute auf und blickte in das hübsche und freundliche Gesicht ...