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Feuer und Wasser
Datum: 30.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... auch in das Wännchen. Und jetzt mach hin, bevor du dir den Tod holst." Jürgen war instinktiv zum vertraulichen „Du" übergegangen, für normale und gesetzte Konversation war jetzt nicht die Zeit. Er verließ das Bad und schloß die Türe hinter sich. In der Küche stellte er einen Kessel für Teewasser auf, dann ging er in seinen Wohnraum und fuhr die Heizung hoch. Ein kleines Warmluftgebläse aktiviert er auch noch, das war zum Trocknen der Schuhe. Er hörte wie die Badezimmertüre geöffnet wurde, die Wanne wurde in den Flur gestellt und die Tür ging wieder zu. Er holte sein Bügelbrett aus der Kammer, in der auch seine Vorräte waren, schnappte sich das Bügeleisen und schaltete es ein. Dann stellte er Elviras Leinenschuhe vor das Gebläse, nahm sich die Bluse. Und in der Bluse waren ein paar Söckchen und ein kleiner schwarzer BH mit einer Spitzenborte eingewickelt. Jürgen fühlte den feuchten Stoff zwischen seinen Fingern und wilde Phantasien jagten durch seinen Kopf. Er riss sich zusammen, legte den BH und Söckchen auf die Heizung, damit sie trockneten und begann zu bügeln. Es ging einfach nicht anders, denn einen Trockner hatte er nicht und auch keinen Platz dafür. Also hatte er sich das Bügeln beigebracht. Im Bad hörte er das Wasser rauschen. Er atmete erleichtert auf. Elvira würde sich aufwärmen und nicht den Tod holen. Ein wenig tat es ihm leid, dass er so schroff und kurz angebunden mit ihr gesprochen hatte und er nahm sich vor, sich nachher bei ihr zu ...
... entschuldigen. Die Bluse war inzwischen trocken, warm und schön glatt. Er hängte sie auf einen Kleiderbügel. Jetzt war der Rock an der Reihe. Es war ein knielanger, blauweiß karierter Tellerrock aus Baumwolle, ein eleganter Retro-Klassiker. Er fuhr zärtlich über die ganze Länge des Stoffs und wünschte sich, Elvira würde drinnen stecken und er würde sie spüren. Er faltete ihn auseinander und hatte plötzlich einen zarten, schwarzen und nassen Seidenslip in den Händen. Er schaute sich schuldbewusst um, dann hielt er sich das verführerische Teil an die Nase und atmete tief ein. Ganz leicht meinte er, Elviras Duft zu riechen und schloss verträumt die Augen. Er schüttelte den Kopf und machte sich wieder an die Arbeit. „Nicht träumen, Junge", wies er sich zurecht und bügelte schnell den Slip. Danach breitete er den Rock auf seinem Bügeltisch aus. Dampfwolken stiegen auf, als er mit dem heißen Bügeleisen über den festen Baumwollstoff fuhr. Es machte ihm Spaß, als er spürte, wie der Rock Bahn für Bahn trocken wurde, denn er wußte, für wen er es machte. So, fertig. Er stellte das Bügeleisen zum Abkühlen auf die Fensterbank, legte den Rock über die Lehne seiner Eckbank und hörte, wie das Warmluftgebläse im Bad verstummte. Er ging in die Küche, um das Teewasser noch einmal zu erhitzen. Er machte einen Schwarztee und nach kurzem Zögern goss er einen kleinen Schluck Rum hinein. Der würde so richtig schön warm machen. Schnell noch eine Schale mit Keksen daneben ...