1. Feuer und Wasser


    Datum: 30.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... gestellt; er wollte sich nicht nachsagen lassen, dass er ein unaufmerksamer Gastgeber war.
    
    *
    
    Er hörte, wie die Tür zum Bad geschlossen wurde und schaute neugierig auf.
    
    Und da stand sie im Türrahmen. Klein, unheimlich süß und eingeschüchtert.
    
    Und in seinem blauen Bademantel, der ihr mindestens drei Nummern zu groß war.
    
    Sie hielt ihn mit beiden Händen vor der Brust zusammengerafft, als würde sie befürchten, dass er über sie herfallen würde. Total verunsichert, was sie erwarten würde und mit einem bangen Gefühl in der Brust. Nichts mehr war von der streitbaren Frau zu spüren, die ihm sonst immer das Gefühl gab, die Situation zu beherrschen und ihn als zweiten Sieger, oder besser gesagt, als ersten Verlierer schlecht aussehen zu lassen.
    
    Er stand auf und ging auf sie zu.
    
    Fast schien es, als wollte sie zurückweichen, aber dann blieb sie doch stehen und sah in offen an. Nichts war von der Aggressivität zu spüren, die sonst ihr Auftreten begleitete.
    
    Jürgen nahm sanft ihre Hand und führte sie zum Tisch. Er schaute sie an und fragte: „Darf ich beim Du bleiben?"
    
    Scheinbar hatte sie etwas anderes erwartet, aber dann nickte sie.
    
    „Schön dich kennenzulernen, Elvira. Ich bin Jürgen und ich freue mich sehr, dich einmal unter erfreulichen Umständen zu treffen. Wir haben uns doch einige Zeit nicht gesehen, was ich sehr bedauere."
    
    Elvira war komplett verwirrt. Sie hatte alles erwartet, aber diese Worte nicht.
    
    Vorwürfe ja, Beschimpfungen vielleicht, aber ...
    ... Anschuldigungen auf jeden Fall. Und jetzt dies.
    
    Jürgen fragte sie, wo sie sitzen wollte und Elvira deutete auf die kleine Bank. Er schenkte ihr eine Tasse Tee ein und sie schnupperte leicht.
    
    „Willst du mich besoffen machen?", fragte sie ihn und ihr gewohnheitsmäßiges Mißtrauen und eine leichte Schärfe lag in ihren Worten.
    
    „Nein", erwiderte er ruhig. „Du kannst gerne etwas anderes haben. Ich dachte nur, das würde dich ein wenig aufwärmen."
    
    Elvira sah seinen bestürzten Gesichtsausdruck und legte begütigend und ganz entgegen ihrer Gewohnheit Männern gegenüber, ihre Hand auf die seine. Sie sah ihn so sanft an, dass ihm Tränen in die Augen traten.
    
    Er atmete ein paar Mal tief durch, setzte sich auf die Eckbank und dann schaute er sie fest an.
    
    „Ich hatte niemals böse Absichten dir gegenüber, aber unsere erste Begegnung ist einfach schlecht verlaufen. Ich wollte, wir hätten uns unter anderen Umständen kennengelernt."
    
    „Können wir reden, Jürgen, ganz offen reden? Über alles, ohne gegenseitige Vorwürfe, ohne Anschuldigungen, nur alles sagen, was uns auf dem Herzen liegt?"
    
    „Das können wir, Vira, ganz . . . oh, entschuldige, dass ich dich so genannt habe. Das wollte ich nicht."
    
    „Woher hast du diesen Namen?"
    
    „Von Arne, er hat dich immer so genannt, wenn er von dir geredet hat. Und er hat immer voller Respekt und Achtung von dir gesprochen. Ich habe mich im Laufe der letzten Monate mit ihm angefreundet und er hat mir sehr geholfen, dass ich mich hier so ...
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