1. Feuer und Wasser


    Datum: 30.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... dachte an Elvira. Voller Liebe und Sehnsucht, voll Hoffnung und Zuversicht.
    
    Ach, es war ja Sonntag, da würde Elvira nicht an seinem Platz auf der Mauer vorbei kommen, da sie heute nicht zu arbeiten brauchte. Da musste er auch nicht auf sie warten, sondern konnte gleich nach Hause gehen.
    
    Er ging weiter die Dorfstraße entlang, da sah er jemanden an seinem Platz sitzen.
    
    Er traute seinen Augen nicht, schaute noch ein zweites Mal, dann beschleunigten sich seine Schritte.
    
    Elvira, sie war es wirklich.
    
    Sein Herz schlug bis zum Hals, dann begann er zu rennen.
    
    Elvira sprang auf als sie ihn sah und eilte ihm entgegen. Sie sprang in mit einem Jubelschrei in seine Arme. Er fing sie auf und drehte sich ein paar Mal mit ihr im Kreis. Dann setzte er sie wieder ab, nahm ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie, bis ihnen die Luft knapp wurde.
    
    "Ich liebe dich, ich liebe dich so sehr, mein Schatz", brachte er atemlos hervor.
    
    Elvira legte ihren Kopf an seine Brust und nickte. Noch fehlte ihr die Luft, um etwas zu sagen. Aber sie war zum ersten Mal seit langer Zeit einfach nur glücklich.
    
    Ein paar Minuten später schaute sie zu Jürgen auf.
    
    "Duhuuu? Hast du schon gefrühstückt?"
    
    Er schüttelte den Kopf.
    
    "Nein, keine Zeit, keine Lust, kein . . .ich weiß nicht was."
    
    "Willst du mit uns vielleicht . . .?"
    
    Jürgen hielt für einen Augenblick den Atem an.
    
    "Ja, ja, ja" stieß er dann hervor und strahlte Elvira an, „selbstverständlich, natürlich, nichts lieber als ...
    ... das. Aber wieso?"
    
    "Ich habe gestern Abend noch lange mit Ramona geredet, habe ihr alles, aber auch wirklich alles gesagt. All das, was zwischen uns diese Verstimmung hervorgerufen hat, all das, was ich so grandios verbockt habe und dann habe ich ihr geschildert, was gestern Abend passiert ist."
    
    "Alles?"
    
    "Alles! Jede Einzelheit, denn das Kind war sehr neugierig und hat keine Ruhe gegeben, bis ich ihr alles gebeichtet hatte. Und jetzt will sie dich unbedingt kennenlernen. Sie will wissen, warum ich meine Ansichten über dich so radikal geändert habe. Deswegen hat sie mich los gejagt, damit ich dich einfange und zu uns nach Hause schleife."
    
    "Von dir mein Engel, lass ich mich jederzeit abschleppen und von mir aus auch bis ans Ende der Welt."
    
    Er verbeugte sich leicht vor ihr, bot ihr seinen Arm an und dann gingen sie eng aneinander geschmiegt zu Elviras Heim.
    
    *
    
    Es war ein schönes Einfamilienhaus, das Elvira mit ihrer Tochter bewohnte.
    
    Jetzt wurde es Jürgen aber doch ein wenig komisch und er bekam schweißige Hände vor Nervosität, weil er nicht wusste, was auf ihn zukam.
    
    Würde ihn Ramona akzeptieren? Und wie? Als Freund ihrer Mutter oder nur als Bekannten?
    
    Als sie die beiden Stufen hochgingen, die auf die Veranda führten, öffnete sich die Haustür und ein junges Mädchen, nein, eine junge Frau kam ihnen entgegen.
    
    Sie war sehr schlank und sie war gut 20 cm größer als Elvira, wirkte aber nicht ungelenk oder schlaksig. Sie hatte langes, wie ihre Mutter ...
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