1. Quid pro quo


    Datum: 29.09.2022, Kategorien: Reif Autor: Omega666

    ... vielen Frauen, die sich überwiegend sehr positiv über den Führungsstil ihrer Chefs äußerten. Wen wundert"s. Die Frauen waren die Gewinner des Generationenwechsels.
    
    Pünktlich um 23 Uhr wartete Maria am Fahrstuhl. Andreas Schulte ließ sie noch ein wenig warten, bis er 10 Minuten nach dem verabredeten Zeitpunkt zu ihr kam und den Aufzugsknopf drückte.
    
    Nach einer gefühlten Ewigkeit des Schweigens sagte er: "Es ist schön, dass Sie noch nicht gegangen sind, Frau Becker. Ich hoffe, unsere Weihnachtsfeier hat Ihnen bislang gefallen. Wir fahren jetzt in den dritten Stock. Dort haben wir ein kleines Besprechungszimmer. Da können wir uns in Ruhe unterhalten. Mein Bruder Mario wird sich voraussichtlich ein wenig verspäten, wir sollen aber schon mal ohne ihn anfangen."
    
    Die Aufzugstür öffnete sich und Andreas dirigierte Maria mit einer Hand an ihrem Rücken in den Fahrstuhl. Die Tür schloss sich und binnen weniger Minuten waren sie schweigend in dem Besprechungsraum angekommen. Direktor Schulte machte nur die indirekte Beleuchtung an, so dass der Raum in einem schummerigen Licht getaucht war. Ohne sich hinzusetzen oder Maria einen Platz anzubieten, begann er das Gespräch.
    
    "Nun schießen Sie mal los, Frau Becker, wo drückt Sie der Schuh?" Maria nahm ihren ganzen Mut zusammen und erzählte von der psychischen Verfassung ihres Mannes, seitdem er seine geliebte Aufgabe verloren hatte. Sie bat Andreas Schulte ihn wieder stärker einzubinden, ihn auf Dienstreisen zu schicken, ihm ...
    ... Aufgaben zu übertragen, seinem Leben wieder einen Sinn zu geben. Er würde doch in absehbarer Zeit sowieso in Rente gehen. Die Zeit bis dahin könnte er doch sinnvoll für die Firma agieren. Sie wäre ihm auch unendlich dankbar, wenn er ihrem Wunsch entsprechen würde.
    
    Maria hatte sich in einen Redeschwall gebracht. Die Wörter, die Sätze entströmten ihrem Mund, ihrem Innersten. Als sie merkte, dass sie anfing, sich zu wiederholen, unterbrach sie sich selber und fragte Andreas Schulte ganz offen: "Was halten Sie davon?"
    
    "Frau Becker, es ist fantastisch und nicht selbstverständlich, wie Sie sich für Ihren Mann einsetzen. Ich darf doch davon ausgehen, dass er nicht in Ihr Vorhaben eingeweiht worden ist, richtig? Ich fasse zusammen, dass Sie sich meinem Bruder und mir unendlich erkenntlich zeigen werden, wenn wir Ihren Mann wieder auf Reisen schicken. Ist das auch richtig?"
    
    Ohne über das soeben Gehörte nachzudenken sagte Maria: "Ja, Sie würden mir einen riesigen Gefallen tun und wahrscheinlich damit meine Ehe retten."
    
    "Nun gut", Andreas Schulte tat nachdenklich, bevor er weiter redete. "Ich könnte ihren Mann bereits Morgen nach Japan entsenden, um mit unserem Kooperationspartner die Planung des kommenden Jahres zu besprechen. Die Japaner feiern Weihnachten und den Jahreswechsel nicht so richtig. Er wird bestimmt Gesprächspartner finden und sich für, sagen wir mal, zwei bis drei Wochen beschäftigen können."
    
    In diesem Moment betrat Mario Schulte den Raum. Wortlos stellte er sich ...
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