1. Grober Sand 02


    Datum: 24.02.2023, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byLoreleyColter

    Ich bleibe allein zurück mit meinen Fesseln und dem Geräusch der einschlagenden Geschosse.
    
    Das Lager ist riesig und die ersten Explosionen scheinen weit weg. Die Aufständischen zielen nicht besonders gut, deswegen wird selten jemand von ihren Angriffen getötet. Gleichzeitig stellt die Entfernung der Einschläge nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit keine Sicherheit für mich dar. Es besteht durchaus die Chance, dass die nächste Explosion mein Gefängnis zerreißt und mich gleich mit. Den Umständen entsprechend wäre das vielleicht gnädig.
    
    Unter dem Pfeifen der Mörser glaube ich Hubschrauber aufsteigen zu hören. Der Gegenschlag ist auf dem Weg. Es dauert nur wenige Minuten, bis Ruhe einkehrt.
    
    Die Stille lastet fast noch schwerer auf mir als die Bedrohung durch die Geschosse. Mir bleibt nichts anderes übrig, als auf dem Bretterboden zu knien und darauf zu warten, dass die beiden Männer zurückkommen. Es ist schon Ironie des Schicksals, dass ich über vier Monate lang die Gefangene der Wüstenbewohner war, ohne dass mir jemand ernstlich ein Haar gekrümmt hat, nur um dann im Lager meiner vermeintlichen Alliierten Zuflucht zu suchen und hier womöglich gefoltert zu werden.
    
    Draußen regt sich etwas. Die Soldaten kommen aus den Bunkern. In der Ferne kreisen noch die Hubschrauber über dem Gebirge.
    
    Dieses Verhör kann nicht gut für mich enden, es sei denn, die beiden lassen sich doch noch auf meinen Code-Satz ein. Allerdings scheint sich der mit dem kahlgeschorenen Kopf in ...
    ... seiner Rolle nicht sehr wohl zu fühlen. Vielleicht lässt er sich manipulieren. Der andere, Chuck, stellt eine größere Gefahr dar. Er ist zu mehr Gewalt bereit, wenn seine cleveren Kommentare nicht nur leeres Gewäsch sind. Nun, ich werde es noch früh genug herausfinden.
    
    Die Tür der Barracke geht auf und die Wache von vorhin kommt herein. Es ist ein junger Bursche. Ich kann aus dieser Position seine Schulterklappen nicht erkennen, aber er ist sicher nicht viel mehr als ein Private. Mein Verdacht erhärtet sich, als ihm bei meinem Anblick die Kinnlade herunterfällt.
    
    „Soldier, please take these ropes off." Ich sehe ihn bei der Bitte, mir die Fesseln abzunehmen, aus Hundeaugen an, aber er ist zu einer Salzsäule erstarrt. Von ihm ist keine Hilfe zu erwarten.
    
    Die Tür öffnet sich noch einmal und der Glatzkopf kommt zurück. An seiner Schulter klafft eine tiefe Wunde. Er starrt den Jüngeren einen Moment lang wortlos an, dann entsinnt er sich seines Rangs. „Raus!"
    
    Der Frischling zuckt zusammen und seine Augen schießen zwischen mir und dem Sergeant hin und her. Schließlich nickt er steif. „Entschuldigen Sie, Sarge."
    
    „Schon gut." Er seufzt und deutet auf mich „Kein Wort davon zu irgendwem. Sie kommen erst wieder, wenn jemand es Ihnen befiehlt. Verstanden?"
    
    „Jawohl, Sir."
    
    Mein Folterknecht wirft die Tür hinter dem Jungen zu und schließt ab. Mit schmerzverzerrtem Gesicht lässt er sich auf den Schreibtischstuhl fallen und holt einen Erste-Hilfe-Kasten hervor. Die Wunde am ...
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