1. Eigentlich wollte sie nur . . .


    Datum: 18.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... durchstöberte die Steiermark, Tirol und Vorarlberg nach passenden Motiven und wechselte dann in die Schweiz. Durch Graubünden, Tessin, Uri und das Emmental führte ihn sein Weg wieder zurück nach Deutschland. Er hatte herausgefunden, dass es im Hochschwarzwald noch sehr viele alte Sägewerke und Mühlen geben sollte, so dass sich ein Abstecher vielleicht lohnen würde.
    
    Und nun stand er hier, wie er meinte, am Arsch der Welt und hatte keinen Schimmer, wie es weitergehen sollte. Also, in Zentralasien fand er sich leichter zurecht. Wald, nichts als Bäume wohin er auch schaute, ein paar Wiesen und keine Menschenseele weit und breit.
    
    Genervt wendete er den Ford und schlich wieder über die Feldwege in Richtung der Landstraße.
    
    Siehe da, es gab doch Menschen in dieser gottverlassenen Gegend. Vielleicht konnte er jemanden fragen, wie er weiterfahren sollte.
    
    Links bog ein schmaler Weg ab, an dessen Ende kurz vor dem Wald ein Bauernhof lag. Er war mittelgroß und hatte die typische Schwarzwälder Bauart.
    
    Davor, auf einer Wiese oder einem Feld, schob eine Frau das abgemähte Gras mit einem großen Holzrechen zusammen.
    
    Robert hielt bei ihr an und stieg aus.
    
    *
    
    Landleben
    
    „Grüß Gott, entschuldigen sie bitte, vielleicht können sie mir weiterhelfen", sagte er. „ich glaube ich habe mich ordentlich verfahren."
    
    Die Bäuerin wischte sich den Schweiß aus der Stirn und schob sich eine vorwitzige Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie hatte relativ kurzes, dunkelbraunes Haar und ...
    ... ebensolche Augen. Mit offenem Blick schaute sie Robert an.
    
    „So, verfahren? Aus München, wie?", fragte sie, nachdem sie einen Blick auf sein Kennzeichen geworfen hatte. "Wo möchten sie denn hin?"
    
    „Ähem, ich suche die Schlachtersäge. Sie soll hier irgendwo in der Gegend sein. Ist es noch weit?"
    
    Sein Gegenüber stützte die Hände in die Hüften.
    
    „Schlachtersäge, sagten sie, die vom alten Sepp? Die ist doch gar nicht mehr in Betrieb. Da empfehle ich ihnen eher die Schlagsäge, die ist nicht so baufällig, oder gehen sie zum Zimmermann, da können sie noch miterleben, wie Holz verarbeitet wird. Was wollen sie da eigentlich?"
    
    Ihre Blick wurde mißtrauisch und sie wich einen Schritt zurück.
    
    „Keine Sorge", beschwichtigte er. „Mein Name ist Robert Wegener und ich bin Fotograf. Ich mache Bilder für einen Kalender von Bauernhöfen, Mühlen und alten Sägen. Ich war schon in Österreich, komme gerade aus der Schweiz und will nun noch einige Tage im Schwarzwald fotografieren. Leider habe ich in meinem alten Auto kein Navi und Landkarten habe ich auch keine dabei."
    
    „Kein Smartphone mit Internet?"
    
    Er hielt sein altes Mobiltelefon in die Höhe und sie lachte.
    
    „Na ja, zum Werfen ist es ja noch geeignet, aber sonst?"
    
    „Telefonieren kann man aber auch noch damit. Ich wollte halt im Urlaub meine Ruhe haben und nicht immer für alles und jeden erreichbar sein", meinte Robert trocken.
    
    „Nun, der Weg zur Säge ist etwas kompliziert. Sie müssen den Weg hier zurück und an der Landstraße ...
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