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Eigentlich wollte sie nur . . .
Datum: 18.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... rechts abbiegen. Die zweite Abzweigung dann links und einen Kilometer geradeaus. Dann wieder links, oder war es rechts? Nach dem nächsten Hof wieder Links und dann . . . . , mhhh, wie war das noch? Ich muss noch mal überlegen, einen Augenblick." Sie stützte ihr Kinn auf ihrer Faust auf und legte die Stirn in Falten. Robert hatte nun die Muße, sie etwas genauer zu betrachten. Sie war etwa 165 cm groß und relativ schlank. Er schätzte ihr Alter auf ungefähr, na ja, es war gar nicht so leicht wie er es gedacht hatte. Ende Dreißig, vielleicht? Sie trug eine an den Knien eingerissene Jeans, wie es sonst eigentlich nur junge Mädchen und Frauen machten. Aber das war sie sicher nicht mehr. Darüber hatte sie ein Baumwollhemd in Holzfäller Art, das einige Nummern zu groß für sie war. Er schätzte, dass es wohl ihrem Mann gehören würde. Ihre Arme unter den hochgekrempelten Ärmeln waren braungebrannt und zeigten, dass sie körperliche Arbeit kannte. Ihr Gesicht war schmal, vom Staub und trockenen Grasresten ein wenig schmutzig und wo der Schweiß seine Spuren hinterlassen hatte, sah es aus als wäre Wimperntusche an ihren Wangen nach unten gelaufen. Ihre Mund war schön geformt und die Lippen waren fein geschwungen. Eine schmale gerade Nase gab ihr ein klassisches Aussehen, nur die dunkle, fast schwarze Farbe ihrer Augen irritierte ihn. Es war als würde er in einen tiefen schwarzen Moorsee schauen, der seinen Blick festhielt und nicht mehr loslassen wollte. * „Wie ...
... bitte?" Sie hatte ihn etwas gefragt, aber er hatte es nicht mitbekommen. „Ich habe sie gefragt, ob ich es ihnen noch einmal erklären soll, oder ob ich es ihnen lieber zeigen soll?", meinte sie und ein rätselhaftes Lächeln umspielte ihre Lippen. Und was ihm sofort auffiel, ihre Augen lachten mit und wirkten auf einmal ganz anders. Freundlich und seltsam hell? „Ich wollte schon immer mal in einem solchen Wagen mitfahren, aber bisher hatte ich nicht die Gelegenheit dazu. Wenn nicht jetzt, wann dann?" „Können sie denn den Hof so einfach alleine lassen?", fragte er sie. „Die paar Kühe die wir haben sind da hinten auf der Weide und ich muss sie erst heute Abend in den Stall treiben. Und die Arbeit hier läuft mir nicht davon." „Ist denn keiner da, der ihnen helfen kann?", wollte Robert ungläubig wissen. „Mein Mann ist mit den Kindern heute morgen zu seiner Mutter gefahren. Die zieht diese Woche ins Seniorenheim um und da helfen sie alle mit. Aber einer musste auf dem Hof bleiben und das bin ich." Ihre Miene verfinsterte sich leicht als sie das sagte. „Bin ich unhöflich wenn ich frage, ob sie gerne mitgefahren wären?" Sie atmete tief durch und schaute an ihm vorbei in die Ferne. Dann sah sie ihm wieder ins Gesicht. „Nein, das sind sie nicht. Ich war froh, dass ich hierbleiben konnte, denn ich habe mich mit meiner Schwiegermutter noch nie gut verstanden. Mit meinem Schwiegervater schon, als er noch gelebt hat, aber mit ihr? Nein, wir waren einfach zu ...