-
Eigentlich wollte sie nur . . .
Datum: 18.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... schönen Abend haben. Wie alle gläubigen Hindus aß er kein Fleisch, sondern er war strenger Vegetarier. Er mochte Gemüse, vor allem sehr junges Gemüse. Bei dem Gedanken, dass junges Gemüse und Fleisch in einer Bedeutung gar kein Widerspruch waren, fing er an zu kichern. Plötzlich wurde er nach vorne in den Gurt geschleudert, als sein Fahrer mit voller Wucht abbremste. „Was ist los?" wollte der Raja wissen. „Herr, es liegt ein großer Baum über der Straße und ich konnte gerade noch anhalten." „Gefahr!", durchfuhr es Ravindra, denn das war alles zu offensichtlich. Als er die Verriegelung an der Türe herunter drücken wollte, wurde diese aufgerissen und ein kalter Pistolenlauf presste sich an seine Schläfe. „Na, na, na, wir wollen doch keine Dummheiten machen, Hoheit, oder?" erklang eine spöttische Stimme in akzentfreiem Urdu. Eine Gestalt in einer dunklen Maske beugte sich zu ihm. Dann wurde die Stimme plötzlich beißend und scharf. „Raus mit dir, du Sack, aber ein bisschen plötzlich." Ein paar unsanfte Stöße mit dem Pistolenlauf machten ihm Beine. Und dieser Pistolenlauf sah merkwürdig aus. Lang und vorne verdickt, ein Schalldämpfer. Das war ein Profi, aber wer waren seine Auftraggeber? Ein heftiger Schlag mit dem Pistolenlauf gegen seine Stirn lies den Raja von Palanpur sofort das Bewusstsein und den festen Stand verlieren. Er fiel zu Boden und blieb reglos liegen. Die vermummte Gestalt wandte sich an den Fahrer, der zitternd hinter dem Steuer ...
... saß. „Keine Sorge, mein Freund", meinte der Vermummte urplötzlich in Hindi, als wüsste er, dass Dalip so gut wie kein Urdu sprach oder verstand. „Dir wird nichts geschehen. Du weisst, was dir passiert, wenn du hier bleibst? Gut, dann fahre nach Hause, wechsele das Auto, nimm deine Familie und mach dass du nach Pakistan kommst. Suche dir ein Fahrzeug aus dem Fuhrpark heraus. Keinen Benz, eher ein Tata Nano, mit dem du nicht auffällst. Fahre nach Sri Ganganagar und triff dich dort mit Radjar Singh im Gauri Shankar Tempel. Du erkennst ihn an der dunkelblauen Schärpe, die nur er dort trägt. Er wird dir ein paar Fragen stellen und dich und deine Familie dann sicher über die Grenze nach Pakistan begleiten. Ab da seid ihr auf euch gestellt, aber das Geld müsste für einen Neuanfang reichen. Viel Glück!" Er gab Dalip Sharma einen kleinen Koffer und klopfte ihm auf die Schulter. Dalip nickte, gab Gas und blickte sich nicht mehr um. * Ravindra wurde langsam wach und sein Kopfweh lies nach. Er hatte einen wackeligen Stand, ein grobes Seil war um seinen Hals gelegt und nahm ihm fast die Luft. Über seinem Mund lag ein Tuch und verhinderte dass er einen Laut von sich gab. Seine Hände waren auf dem Rücken zusammen gebunden. Er stand auf einem Hocker und plötzlich kam die Angst über ihn. „Na, Hoheit, wieder munter?" Ravindra öffnete die Augen und sah nun die dunkle Gestalt vor sich. Ohne Maske. Robert Wegener. Er erkannte ihn sofort, obwohl Wegener die Haare schwarz gefärbt ...