1. Schillers Faust 01


    Datum: 05.01.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byhankathi

    ... Tränen in den Augen und rote Abdrücke meiner Hände auf ihrer zarten Haut.
    
    Ich erschrak vor mir selbst und schämte mich für meine Gedanken, aber die heftigen Bilder überfielen mich so plötzlich und wirkten so echt, dass ich mich nicht dagegen wehren konnte. Das waren keine lüsternen Tagträume, wie sie beim Anblick einer begehrenswerten Frau normal gewesen wären, das waren schon eher Visionen von schockierender, unbekannter Intensität - fast so, als handele es sich um Erinnerungen an etwas, das ich tatsächlich erlebt hatte. Für einen Moment bildete ich mir sogar ein, die Geräusche zu hören: die Schreie aus Lust und Schmerz, das Grunzen und Stöhnen, das nasse Schmatzen und Klatschen.
    
    Irgendwo in meinem kranken Hirn glomm offenbar noch ein kleiner Funken Anstand und Vernunft, der mich zwang, meinen Blick von den beunruhigenden Augen des Mädchens zu lösen und verlegen auf den Boden zu richten. Im selben Moment ging das Kopfkino aus, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Mein Atem ging keuchend, und mein Gesicht fühlte sich glühend heiß an. Ich musste knallrot geworden sein. Ich wagte es nicht, ihr noch einmal ins Gesicht zu schauen, aber das musste ich auch nicht. Ich spürte ihren Blick und wusste, dass sie mich immer noch ansah. Und ich wusste auch, dass sie spätestens jetzt gesehen haben musste, was für einen Aufruhr sie zwischen meinen Beinen angezettelt hatte, wo mein immer noch knüppelharter, pochender Ständer den leichten Stoff meiner Hose zu einer gewaltigen, ...
    ... zuckenden Beule aufspannte. Ich schickte ein flehentliches Stoßgebet gen Himmel, dass sich dort kein feuchter Fleck gebildet haben möge.
    
    Als der Zug eine Minute später im Hauptbahnhof einfuhr, saß ich immer noch schwer atmend und beschämt zu Boden sehend da. Umständlich verstaute ich das Tablet in meiner Tasche, um Zeit zu gewinnen. Ich wollte nicht aufstehen, bevor das Mädchen das Abteil verließ, aber den Gefallen tat sie mir nicht. Ich setzte die Sonnenbrille wieder auf, nahm meinen Mut zusammen, atmete tief durch und richtete mich auf, wobei ich mir die Ledertasche vor den Schritt hielt. Im selben Moment stellte auch sie sich hin. Sie war nicht so klein, wie ich erwartet hatte, ging mir aber trotzdem nur bis zum Kinn. Sie stand ganz dicht vor mir und sah zu mir auf, und im Schutz der dunklen Brillengläser wagte ich es, ihren Blick zu erwidern.
    
    Ihre unglaublichen Augen hatten jetzt einen anderen Ausdruck und schienen leicht verhangen. Die vollen Lippen leicht geöffnet, lächelte sie mich an. Nicht, wie ich es verdient hätte, spöttisch oder mitleidig, sondern auf eine verwirrend sinnliche Art, die mir die Knie weich werden ließ. Zwischen ihren ebenmäßigen, weißen Zähnen blitzte für einen winzigen Augenblick ihre rosige Zungenspitze hervor und glitt über ihre Oberlippe, bevor sie sich wieder zurückzog. Ich hätte schwören können, dass in ihrem Minenspiel etwas Verruchtes, Lüsternes lag, als ich zum ersten Mal ihre helle, klare Stimme hörte: „Das war schön, findest du nicht?" ...
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