1. Psycho - familiäre Bande


    Datum: 12.03.2018, Kategorien: Sonstige, Autor: Hassels

    ... eine der herumliegenden Zeitschriften greifen, da ging die Tür zum Besucherraum auf. "Hallo Fiona! Ich möchte dich nicht bedrängen, aber was kannst du mir über meine Mutter erzählen?" Mein Selbstbewusstsein war wieder da, ich stand auf und ging auf sie zu. Sie legte einen Finger auf ihre Lippen. "Sei bitte leise. Die Wände haben Ohren. Eigentlich hätte ich Dir die Info gar nicht geben dürfen, behalte es bitte für Dich. Hallo Revilo, welch ein seltsamer Vorname?" Wir reichten einander die Hände und sahen uns in die Augen. "Eins kann ich Dir mit Sicherheit sagen, Frau Tresko ist Deine Mutter. Ihr habt beide diese unverwechselbaren, blauen Augen."
    
    Ich hatte Fionas Hand länger gehalten als nötig, löste mich aber als es mir bewusst wurde. Sie schaute mir weiter in die Augen, offensiv und herausfordernd. Fast schien es, sie wolle von mir etwas über meine Mutter wissen. Die Stille die sich im Raum ausgebreitete hatte, nur leise vom Sekundenzeiger meiner Uhr durchbrochen, übertrug sich auch auf mich. Alle Anspannung, damit einhergehende, letzte Hemmung, fiel von mir ab. Die Neugier ergriff wieder Besitz von mir.
    
    "Außer dem Namen und dem Alter weiß ich nichts von meiner leiblichen Mutter. Sie war vierzehn als sie mich auf die Welt brachte, aber ich trage jetzt tausend Fragen in mir." Fiona tätschelte meine Hand, gab mir irgendwie Kraft. "Vielleicht schaust Du Dir Deine Mutter zunächst nur aus der Entfernung an. Im Gegensatz zu den Doktoren habe ich bei Deiner Mutter nicht ...
    ... den Eindruck sie wäre Schizophren. Aber als Azubi habe ich ja keine Meinung zu haben."
    
    Fiona führte mich zum Speisesaal, dort saßen alle die nicht als gefährlich eingestuft waren. Ohne dass sie mir sagte wo sie saß, ich erkannte meine Mutter sofort. Einige Minuten verharrte ich vor dem Fenster, sah sie mir genau an. Sie war bildhübsch, hatte die selben struppigen Haare, ja vieles hatte ich von ihr mitbekommen. Fiona tippte mir irgendwann auf die Schulter, wahrscheinlich wollte sie mich zu mehr anregen. Ich wollte aber die Eindrücke sacken lassen, mich mit diesem Bild anfreunden. "Darf ich morgen auch auf deine Unterstützung hoffen? Danke Fiona." Sie nickte, lächelte, und ich machte mich auf den Heimweg.
    
    Das Damenkränzchen saß noch im Wohnzimmer, wie jeden dritten Dienstag. Für mich die Gelegenheit, nur kurz in die Runde zu grüßen, um ungestört in mein Zimmer zu verschwinden. Ich hatte noch kein Wort mit ihr gewechselt, keine meiner mir auf der Seele liegenden Fragen gestellt, dennoch stellte sich bei mir ein Gefühl der Verbundenheit ein. Aber nicht nur zu meiner leiblichen Mutter, auch Fiona ging mir nicht mehr aus dem Kopf.
    
    "Ist ja gut Revilo, ich bin ja bei dir." Mutter strich mir über das Haar. "Du hattest bestimmt einen bösen Traum, aber jetzt bist du sicher und brauchst keine Angst zu haben." Liebevoll wurde ich umsorgt, musste mich erst mal sortieren. Ich hatte, wie Mutter mir erzählte, Mama geschrien, um mich geschlagen und der Schweiß hatte auf meiner Stirn ...
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