1. Psycho - familiäre Bande


    Datum: 12.03.2018, Kategorien: Sonstige, Autor: Hassels

    ... den ich auf sie zuging, ohne zu schnell zu werden, durchlebte ich eine Achterbahn der Gefühle. Ähnlich wie im letzten Schuljahr bei den abgeschnittenen Tagen auf dem Schulkalender, rückwärts zählend, tickten meine Erwartungen langsam immer mehr gen Null.
    
    Drei Schritte vor der Bank wurde ich durch einen Schrei in Schockstarre versetzt: "Revilo! Revilo! Ich habe es immer gewusst!" Fionas Mund stand fassungslos auf, wie ein Panther war meine Mutter hochgesprungen und erdrückte mich fast. Etwas reserviert versuchte ich mich von der mir fremden Frau zu lösen. "Entschuldige, aber ich habe so unendlich lange darauf gewartet." Freiwillig gab sie mich darauf wieder frei.
    
    "Ich habe nichts verraten. Damit hatte ich auch nicht gerechnet." Fiona versuchte sich zu entschuldigen, wirkte ein wenig übertölpelt. Zwei Frauen mit Tränen in den Augen, ich war tief berührt. "Ich glaube dir. Meine mir bisher unbekannte leibliche Mutter wird uns hoffentlich aufklären." Dabei nahm ich in jeden Arm eine Frau und drückte sie an mich.
    
    Zwei Köpfe lehnten sich an meine Schultern, sahen sich an. "Es wird eine lange Geschichte. Aber das ist jetzt nicht wichtig. Kümmere dich bitte um Schwester Fiona." Meine Mutter löste sich aus der Umarmung und ging zur nächsten Bank die zwanzig Meter entfernt stand. Was meinte sie? Um Fiona kümmerte ich mich doch, hatte sie im Arm. Ich stand auf dem Schlauch, hatte es nicht ansatzweise kapiert. Von der Bank aus wurden mir aufmunternde Handzeichen ...
    ... gedeutet.
    
    "Meine Logik bringt mich gerade nicht weiter. Habe ich etwas verpasst?", fragte ich Fiona.
    
    "Ich bin froh dass Du mir glaubst. Jetzt ist es wichtig dass Du die Fragen stellst, die Dir keine Ruhe lassen. Wir sehen uns später, versprochen." Zügig ging Fiona an der Bank vorbei, ihr Handzeichen in Richtung meiner Mutter konnte ich nicht deuten, zum N Gebäude.
    
    Ohne Umschweife erzählte mir die Frau auf der Bank ihre Lebensgeschichte, dabei fand sie in mir einen guten Zuhörer. Von klein auf war sie Vaters Sonnenschein gewesen. Ihr älterer Bruder Oliver fiel nur durch Faulheit und Ungehorsam auf. In der Schule war sie Klassenbeste, es lief einfach wie von selbst. Während einer Feier hatte ihr Vater verkündet, Rosamunde würde später den Betrieb in seinem Sinne fortführen. Wochen später schaute sie mit Oliver und seinem Kumpel einige Filme auf DVD. Am nächsten Morgen, sehr spät, war sie mit Schmerzen im Genitalbereich aufgewacht. Sie hatte einen Filmriss, dachte sich aber nichts dabei. Gelegentliche Übelkeit führte sie auf die sportliche Belastung zurück. An ihrem vierzehnten Geburtstag war es dann sichtbar, in den Niederlanden hätte es noch Ärzte gegeben die gegen entsprechendes Honorar noch eine Abtreibung vorgenommen hätten. Sie war im siebten Monat, und ihr Glaube sprach dagegen. Ihr Vater ließ sie wie eine heiße Kartoffel fallen. Wenn sie das Kind austragen würde, gäbe er es zur Adoption frei und sie würde weggesperrt. Genauso war es dann geschehen. Einzig den Namen konnte sie ...
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