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Geliebter Dämon 10: Die Visite
Datum: 27.02.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byPhiroEpsilon
10 Die Visite Donnerstag "Wir haben schon wieder eine", sagte Bob, als ich ins Büro kam. Ich hatte etwas länger als er gebraucht, um mich von seiner Ehefrau zu verabschieden ... So flapsig und ungenau die Aussage auch war, hatte ich die Quintessenz schon verstanden. "Er eskaliert", stellte ich fest. "Genau. Drei Frauen in sieben Tagen, die letzten beiden sind nur zwei Tage auseinander. Und seine Gewalttätigkeit nimmt auch zu. Die hier — Jennifer Winter — musst du im Krankenhaus besuchen." Ich stöhnte auf. Ein Opfer in der sachlichen Atmosphäre des Büros zu befragen, war schon schlimm genug. Ein Krankenhauszimmer, in das jeden Moment jemand hereinplatzen konnte ... "Komm bitte mit", bat ich ihn. "Spiel meinen Türsteher." Er lachte humorlos auf. "Kein Problem. Ich brauche nur etwas zu lesen." * Das Gespräch mit Jennifer war enttäuschend. Sie konnte nichts zur Identität des Vergewaltigers beitragen. Sie hatte keine Ahnung, wo sie gewesen war, an einem Abend, an dem sie eigentlich zu Hause bleiben wollte. Ihre Verletzungen waren glücklicherweise nicht so gravierend, dass ich hätte eingreifen und das Krankenhauspersonal misstrauisch machen müssen. Ich wusste auch nicht, wie meine Heilgabe funktionierte, und wie oft ich sie einsetzen konnte. Ich dämpfte Jennifers emotionalen Aufruhr, um es ihr leichter zu machen, über das Trauma hinwegzukommen, aber das war schon alles. Bob sah es mir wohl schon am Gesicht an, denn er fragte noch nicht ...
... einmal, wie es gewesen war. Wir waren schon auf dem Weg nach draußen, als ich plötzlich stehenblieb, weil ein Gedanke sich aus dem Raunen der vielen Menschen im Krankenhaus wie ein Schrei heraushob. "Was ist?", fragte Bob. "Da ist etwas ..." Ein Mensch in der Nähe hatte die Begierde, Frauen Schmerzen zuzufügen. Sie war gepaart mit einem überwältigenden, krankhaften Sexualtrieb. Der Mann erging sich in Fantasien, die mit Macht über hilflos am Boden kriechende Frauen bestanden. Wenn das nicht unser Vergewaltiger war, dann gab es zwei von ihnen. Dummerweise sagte mir meine Gabe nicht, in welche Richtung sich dieses Monster aufhielt. Nur, dass er sich langsam von uns entfernte. Ich drehte mich zu Bob und flüsterte ihm zu, "Halt mich fest. Tu so, als wären wir ein Liebespaar. Ich fühle ihn in der Nähe." Während er noch überrascht war, legte ich ihm meine Arme um den Hals und verbarg mein Gesicht an seiner breiten Brust. Er hatte noch genug Geistesgegenwart, um seine Arme um mich zu schlingen, und uns aus dem Fußgängerverkehr auf dem Krankenhausflur zur Seite zu manövrieren. Ich bekam das nur am Rande mit, weil ich zum ersten Mal bewusst versuchte, den Geisteszustand des "Neben-mir-stehen" zu erreichen, den ich bisher nur mit Lutz oder beim Sex erlebt hatte. Aber das war in dem Moment, das Einzige, was mir einfiel. Überraschenderweise funktionierte es. Ich stand plötzlich "neben" mir und hatte einen klaren Blick auf das verdutzte Gesicht meines Partners. Nun ...