1. Geliebter Dämon 10: Die Visite


    Datum: 27.02.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byPhiroEpsilon

    ... sehen? Schuhe. Rote Sneakers. Wenigstens etwas. Nochmal zurück. Arztkittel. Nackte Unterarme. Eine Narbe. Eine lange, rote Narbe. Das war besser.
    
    "Ein Arzt", wiederholte ich. "Eine Narbe auf dem rechten Arm. Rote Sneakers."
    
    "Doktor Wanders?", murmelte sie. "War der hier?"
    
    Ein Gesicht tauchte in ihren Erinnerungen auf. Durchschnittlich, mittleres Alter. Stopp. Ich kannte den Mann. Er war schon ein- oder zweimal im
    
    Dark Nights
    
    gewesen.
    
    "Wanders?", fragte Bob. "Vorname?"
    
    "Friedrich, Friedbert, Fridolin, irgend sowas. Er ist kein Angestellter, sondern Belegarzt. Warum wollen Sie das wissen?"
    
    "Ich dachte", wiegelte ich ab, "ich würde ihn kennen. Aber 'Wanders' sagt mir nichts."
    
    Ich nickte Bob zu. Wir sollten das erst einmal auf sich beruhen lassen.
    
    "Danke, Schwester", sagte er, und wir gingen zurück Richtung Aufzug.
    
    "Meinst du", fragte er, "dass das unser Mann ist?"
    
    "Sein Geisteszustand passt. Machtfantasien, Frauen erniedrigen, sexueller Overdrive. Wir sollten aber sehr vorsichtig sein. Das ist alles kein Beweis."
    
    "Aber wir haben wenigstens einen Namen."
    
    *
    
    "Es gibt einen Heilpraktiker Frieder Wanders", las mir Bob vom Bildschirm vor. "Hat eine Praxis im Nordend. Krumme Straße Sieben."
    
    Ich warf einen Blick über seine Schulter. Das Bild auf seiner Website sah nicht wirklich so aus, wie der Mann an den ich mich aus dem Club erinnerte. Geschönt, wahrscheinlich. "Wo wohnt er?"
    
    "Heiligenberg. Kirchstraße Neunzehn."
    
    Ich schnaubte. ...
    ... Sehr ironisch. Ich ging zur Wand und pinnte zwei Nadeln in den großen Stadtplan. Dann noch eine dritte in die Asklepios-Klinik. Das
    
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    war Nummer vier. Es lag in dem Dreieck, das die anderen drei bildeten.
    
    Es gab noch mindestens fünfzehn weitere Nachtclubs in dem Bereich. Und es war nicht sicher, dass er dort auf Frauenfang ging. Jasmine hatte ihn höchstwahrscheinlich im Bus getroffen. Und Jennifer ...
    
    Wir stocherten noch ein wenig weiter. Wanders war geschieden, seine Frau hatte ihn wegen einer anderen Frau verlassen.
    
    "Oha!", entschlüpfte mir.
    
    "Was ist?"
    
    "Eine misslungene Dreiecksbeziehung."
    
    Bob trat ganz dicht hinter mich. "Nur gut, dass das auch anders geht."
    
    Ich genoss seine Wärme. Er hatte recht. Warum sollte man einen Menschen verlassen, den man wirklich liebte, nur weil man auch jemand anderen liebgewonnen hatte? Oder war das zu simpel und egoistisch gedacht?
    
    Für mich gehörten Bob und Vicky zusammen. Punkt. Sollte das Ganze einmal nicht mehr funktionieren, dann wäre ich es, der ginge.
    
    Ganz sicher?
    
    Ganz sicher.
    
    *
    
    "Und die Geliebte seiner Frau ist hellblond", sagte ich.
    
    "Hmmm, das ist natürlich ein weiterer Hinweis", meinte Kriminaldirektor Heinrich Kunze und wiegte seinen Kopf hin und her.
    
    "Aber auch kein Beweis", fuhr Hauptstaatsanwältin Frauke Meyer fort. "So leid es mir tut. Das rechtfertigt keine Durchsuchung. Zumal wir nicht die geringste Ahnung haben, ob er nicht noch eine andere Bleibe hat."
    
    "Das stimmt", ...
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