1. Ein Leben in Bedrangnis Neubeginn 01


    Datum: 16.03.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byachterlaub

    Zweiter Teil: Neubeginn
    
    Meine Schwiegermutter
    
    Als ich am nächsten Morgen zerschlagen aufwachte, durcheilten mein Gehirn die Geschehnisse der vergangenen Tage und Stunden. Ein wahres Knäuel an Gedanken und Empfindungen durchstob mein Gehirn. Allein, es fehlte das Ende des Fadens.
    
    Dabei war mir klar, dass ich von nun ab, sofort und unverrückbar, einen völligen Neubeginn starten müsse. Während ich so gedankenverloren gegen die weiß getünchte Decke stierte, trat Elisabeth ein, setzte sich neben mich aufs Bett, griff meine Hand und streichelte sie zärtlich. Sogleich spürte ich eine große Zuversicht in mir aufsteigen. Sie hatte noch nichts gesagt, da kapierte ich schlagartig: Ich werde es schaffen. Es wird nicht leicht, aber ich werde für das Kind sorgen können. Es wird ein wundervolles Zuhause erhalten, ganz im Sinne ihrer verstorbenen Mutter.
    
    Als dann Elisabeth einige wenige Sätze in ruhigen leisen Worten sprach, hatte ich den Anfang des Knäuels gefunden. Ich hielt nun den Faden meines Lebens wieder in der Hand. Diese Frau war in der Tat das Großartigste, was mir in dieser Situation widerfahren konnte.
    
    Sie sprach mit einem leicht verkrampften Lächeln auf den Lippen: „Denis, mache dir keine Sorgen. Wir schaffen das. Du musst dich nicht schämen wegen der vergangenen Nacht. Wir haben lediglich eine starke innere Bindung geschaffen, die wir beide für das Kind, mein Enkelkind, so dringend brauchen." Gerührt von den einschmeichelnd gesprochenen Worten setzte ich mich ...
    ... auf und umarmte diese Frau. Ich umschlang sie wie ein Ertrinkender. Sie aber spürte, dass ich damit nur meine unendliche Dankbarkeit für das tiefe Verständnis meiner Situation ausdrücken wollte.
    
    Der Frühstückstisch war schon gedeckt. Es war bereits Mittag, aber das störte nicht. Erst als der letzte Happen verdaut war, kam ein Gespräch in Gang. Dabei stellte ich sogleich fest, dass Elisabeth anders als viele andere Frauen mit exaktem Kalkül unsere missliche Lage umschrieb. Es sollte vielleicht mein Schicksal sein, dass dieses Rationale ihr als Lehrerin für Mathematik und Physik auch meiner Psyche besonders nahe lag.
    
    Ihre Analyse war kurz und treffend. „Ich habe das mal alles ausgerechnet. Die Pension meines verstorbenen Mannes ermöglicht es mir, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Aber auch bis dahin sind es noch gut vier bis fünf Jahre. In der Woche kann ich erst nach der Mittagszeit meine Enkelin betreuen. Bis dahin brauchen wir eine Hilfe.
    
    Ich weiß eine Nachbarin, die das für eine Zeit übernehmen kann. Bis Elisabeth das Alter für einen Kindergarten- oder Krippenplatz erreicht hat, müssen wir versuchen, uns mit einem Au-Pair-Mädchen oder einer anderen Hilfe zu begnügen."
    
    Mit jedem ihrer Worte schwand ein Stück meiner Beklommenheit. Es hatten sich schier die Wolken vor meinem verfinsterten Gemüt verzogen und den Blick auf die warme Sonne eröffnet.
    
    Aber diese Frau wusste mich noch mehr zu erstaunen. „Natürlich bleibst du in der Einliegerwohnung. Lass doch die ...
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