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Ein Leben in Bedrangnis Neubeginn 01
Datum: 16.03.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byachterlaub
... Leute reden. Sie tun es ohnehin. Übrigens muss ich dir sagen, dass ich die letzte Nacht sehr genossen habe. Mein Mann war in dieser Hinsicht in den letzten Jahren etwas müde geworden. Wenn du also ein Bedürfnis dahingehend hast, lass es mich wissen. Verstehe mich aber bitte nicht falsch. Ich will dich nicht an mich fesseln. Dazu liegen wir altersmäßig zu weit auseinander." Und nach einer kurzen Pause, in der sie mit klarem Verstand meine innere Hemmung erfasst hatte, fuhr sie fort: „Das alles hat mit meiner Tochter nichts zu tun. Du kennst ihre offenherzige Art. Sie bleibt in unserem Gedächtnis." Nach diesen letzten Worten konnte ich nicht mehr an mich halten. Diese weise Bestimmtheit, diese Großmut, die ich von einer Frau erlebte, die ich bislang kaum kannte, öffneten mir das Herz und den Mund. Als Worte der tiefsten Anerkennung konnte ich nur keuchen „danke, danke, danke". Aber dann, nach einer längeren Pause der inneren Einkehr, fuhr es aus mir heraus. „Elisabeth, ich denke, nicht nur die schrecklichen Ereignisse der letzten Monate haben uns aneinander gekettet. Ich vermag gar nicht auszusprechen, welche Hochachtung ich vor dir habe, wie sehr ich dich schätzen gelernt habe. Deshalb: Verfüge über mich nach deinem Belieben. Wann immer du Sorgen hast, auch tief in der Nacht, komme zu mir. Das gilt selbstredend auch, wenn du ein Bedürfnis nach körperlicher Zuneigung hast. Denn auch ich habe die letzte Nacht unendlich genossen". Mit diesem äußerlich eher ...
... sachlich erscheinenden Gedankenaustausch begann eine intensive Zeit des Zusammenlebens mit einer Frau, die meine Schwiegermutter hätte sein sollen. Sie hat mir über die Jahre vieles an Arbeit und Sorgen abgenommen und hat unendlich viel zum gedeihlichen Aufwachsen meiner Tochter beigetragen. Und sie hat ihre Versprechen stets gehalten. Für die Einliegerwohnung musste ich bis auf die Nebenkosten nichts bezahlen. Sie hat sich nie in mein Leben gedrängt oder gar versucht mich zu bevormunden. Natürlich hatten wir jeder den Schlüssel zur Haustür des anderen. Aber nur wenn auf Klingeln oder Klopfen niemand öffnete, kamen wir auf den Gedanken, bei dem anderen aus Sorge um die Gesundheit einzutreten. Nie wieder kam in dieser Zeit auch nur der Gedanke auf, dass ich sie mit ihrer Tochter betrüge. Es war eine Verbindung zwischen uns, die ganz auf das Wohl der kleinen Elisabeth gerichtet war. Die Nachbarin hat sich wirklich bald ein halbes Jahr äußerst liebevoll um Elisabeth gekümmert. Die zweite Schicht sozusagen übernahm die Namenspatronin, bis ich dann abends und nachts für das Kind sorgte. Selbstverständlich stand die Großmutter zur Seite, wenn ich, was sehr, sehr selten vorkam, einen Abend mit alten Freunden verbringen wollte. Das Leben als allein erziehender Vater ließ für größere Exkursionen ohnehin keinen Raum. Die Anspannung der Nächte, in denen das Kind gefüttert und gewindelt werden musste, ließ auch kaum andere Gedanken aufkommen. Meist nutzte ich die Wochenenden zum ...