1. HomoLepus 07


    Datum: 23.04.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaran66

    ... Monaten noch ein ganz normaler Mensch gewesen, so sah das jetzt ganz anders aus. So wie ich war kein anderer und ich würde alles dafür geben, wenn es so blieb.
    
    Gedankenvoll und selbstverliebt drehte ich mich etwas hin und her und fand es zum Schluss fast schade, dass Sandra mit im Raum war. Immerhin störte sie in dem Moment das vollkommene Bild von mir. Da sie aber hinter mir stand, war es nicht so wichtig.
    
    Leider ging dann das Licht langsam wieder aus und Sandra führte mich aus dem Raum. Warum sie ihn mir überhaupt gezeigt hatte, blieb mir ein Rätsel, nur wäre ich gerne noch ein paar Minuten darin geblieben. Immerhin sah ich einfach nur toll aus. Wenn ich einmal nichts zu tun hatte, dann würde ich noch einmal in den Raum gehen. Ich wollte es noch einmal sehen, wollte mich alleine betrachten können, ohne gestört zu werden. Zumindest nahm ich mir das vor.
    
    Dann gingen Sandra und ich etwas essen. Wir saßen zusammen am fertig gedeckten Tisch und nahmen ein paar Happen zu uns. Dabei sah mich Sandra nachdenklich an. Irgendwas ging in ihrem Köpfchen vor sich, ließ sich aber nicht ergründen, denn sie sprach ja fast nie mit mir.
    
    So manches Mal hatte ich mir inzwischen Gedanken darüber gemacht, was ich eigentlich für sie war. Sie hatte nie das Bedürfnis gehabt zu ergründen, was unter dem Fell war. Es schien sie gar nicht zu interessieren, wollte es vielleicht gar nicht wissen. Es war das Äußere, was sie anzog, der Kern war ihr vollkommen egal. Auf der einen Seite traurig, ...
    ... auf der anderen Seite zumindest für mich auch sehr gut, denn ich war Hase. Mensch war einmal gewesen und ich brauchte all das nicht mehr, was einen Menschen ausmachte.
    
    Alle diese Gedanken sausten durch meinen Kopf und ich kam zu dem Ergebnis, dass alles so gut war, wie es war. Anders wollte ich es gar nicht mehr haben. Vielleicht würde ich so mein Leben verbringen. Warum auch nicht? Was hielt mich davon ab. Sicher gab es einige kleine Schwierigkeiten, aber die konnten gemeistert werden. Das einzige Problem was ich noch hatte war die Tatsache, dass ich Geld brauchte. Sonst war alles so, wie ich es mir besser nicht vorstellen konnte.
    
    Irgendwann während des Essens verschwand das Nachdenkliche aus Sandras Gesicht und wich ihrem normalen aussehen. Sie aß noch ein paar Happen, war dann aber anscheinend gesättigt und schob ihren Teller von sich. Da ich ebenfalls keinen Bissen mehr herunter bekam, tat ich es ihr gleich.
    
    Doch wir standen nicht gleich auf, sondern Sandra blieb noch eine Weile sitzen, bis es an der Tür klingelte. Darauf hatte sie wohl gewartet, denn sie stand sofort auf und ging zum Eingang. Dort angekommen öffnete sie die Eingangstür und herein kamen vier Damen, wobei ich zwei davon schon auf den beiden Feiern gesehen hatte.
    
    Sie begrüßten sich alle fünf sehr herzlich. Küsschen wurden gegeben, Hände geschüttelt und gleichzeitig entledigten die Vier sich ihrer Mäntel. Dann kamen sie schwatzend auf den Tisch zu.
    
    Ganz Gentleman stand ich natürlich auf, um ...
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