1. HomoLepus 07


    Datum: 23.04.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaran66

    ... relativ angenehmes Leben. Wenig tun, trotzdem gut verdienen. Eigentlich ein Traumjob. Dazu kam noch etwas, was im Moment noch gar nicht so wichtig war, in Zukunft aber an Gewichtung gewann. Ich konnte mich jederzeit vollkommen verändern, wurde dazu niemals alt. Egal wie lange ich in einem Fell steckte, ich konnte immer die Illusion nach außen vermitteln, nie zu altern. So wie ich heute aussah, so würde ich auch noch in fünfzig Jahren aussehen. Ob als rosa Bunny mit lustigem Gesicht und Knickohr, oder mit einem fast naturgetreuen Äußeren. Die Zeit würde an mir vorbei gehen, ohne dass sie mir äußerlich etwas anhaben konnte. Der Traum vieler Menschen erfüllte sich an mir. Nur brauchte ich dafür keine Schminke, Cremes und Botox gegen Falten. Die konnte ich einfach aus dem Fell bügeln, wenn es darauf ankam.
    
    Wenn ich also die Nach- und Vorteile gegeneinander aufwog, kam ich zu einem eindeutigen Ergebnis. Es lag auf der Hand, ein Hasenleben war nicht das schlechteste, was einem passieren konnte.
    
    Später ging ich ins Bad, um mich zu erleichtern. Dort wartete eine unheimliche Überraschung auf mich. Auf einem Tisch, den man in die Mitte des Raumes gestellt hatte, lag ein neues Fell. Eines, was der Natur mehr als nachempfunden war, noch mehr an ein Echtes erinnerte. Ich ging darauf zu und konnte es nicht abwarten, meine Hand in das Fell zu vergraben.
    
    Als ich es erreichte und den ersten Kontakt damit hatte, legten sich meine Finger darauf und mir wurde ganz anders. Wie sich ...
    ... die anderen Felle angefühlten wusste ich sehr genau. Immerhin war ich jeden Tag damit beschäftigt, sie zu pflegen. Das, was jetzt vor mir lag fühlte, sich anders an. Nicht so flauschig, obwohl die Haare fast feiner zu sein schienen. Außerdem wurde mir die Wärme meiner Hand sofort zurückgegeben. Wenn ich meine Hand darauf legte, war es sofort warm, hatte keinen kalten ersten Moment. Ebenso war es etwas ganz anderes, wenn ich an den Haaren zog. Sie lösten sich leichter als bei allen anderen, die ich hatte. Zog ich kräftig daran, hatte ich sogar ein kleines Büschel davon zwischen den Fingern. Sie hielten lange nicht so fest auf dem Untergrund. Als ich dann noch meinen Kopf abnahm und meine Nase direkt hineindrückte, wurde mir klar, worum es sich handelte. Ein Kürschner hatte sich sehr viel Mühe geben müssen. Sicher war es nicht einfach gewesen die Felle zu bekommen, besonders da sie alles in der gleichen Farbe sein mussten. Doch er hatte es geschafft und es sah aus wie ein einziges Stück. Es musste ein Vermögen gekostet haben, das war mir sofort klar. War aber zugleich überaus Stolz darauf, dass man mir so etwas gab.
    
    Sofort schlüpfte ich aus dem, welches ich gerade anhatte, und zog das Neue an. Es passte so genau, als wenn man es mir auf den Leib geschneidert hätte. War die andere Imitation schon gut gewesen, war dies hier die Krönung. Nur zwei Dinge hatte man geändert. Mir fiel sofort auf, dass meine Hände wieder in Pfoten steckten, die ebenfalls täuschend echt nachempfunden ...
«12...232425...29»