1. HomoLepus 07


    Datum: 23.04.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaran66

    ... ein. Wenn ich jetzt eine Uhr aus der Tasche gezogen hätte, dann wäre es perfekt gewesen. Ich musste grinsen, besonders als Sandra ihren Kopf hob und mich ebenfalls mit einem breiten, unschuldig wirkenden Lächeln bedachte. Dann senkte sie ihren Kopf wieder und pflückte noch einige weitere Blumen, die sie für passend hielt. Erst als alles zu stimmen schien, erhob sie sich wieder, fasste mich an die Hand und zog mich mit nach unten. Hier setzte ich mich hin stützte mich dann mit den Ellenbogen hinter mir auf. Sofort streckte sich Sandra aus und legte ihren Kopf in meinen Schoß. Dann rupfte sie noch einen Grashalm aus den sie sich zwischen die Zähne schob und kaute gedankenversunken darauf herum. Dabei hielt sie ihre Arme über dem Bauch verschränkt, wobei eine Hand den Strauß festhielt.
    
    Die Augen fest verschlossen lag sie da und genoss es anscheinend in der freien Natur zu sein. Nicht einmal der Wind war zu hören, nur das Summen diverser Insekten durchbrach die Stille. Doch diese Geräusche gehörten einfach dazu, rundeten das Bild ab.
    
    Als ich dann noch meinen einen Arm vom Boden löste und mit der Hand begann Sandras Kopf zu kraulen, war es anscheinend für sie perfekt. Gurrende Laute erklangen aus ihrer Kehle und sie hielt mir mal die, mal jene Seite ihres Kopfes hin. So hatte sie immer die mal kraulenden, mal massierenden und dann wieder kratzenden Finger an den Stellen, die sie wollte.
    
    Eine ganze Weile später standen wir wieder auf und gingen zurück. Im Haus angekommen ...
    ... holte Sandra sofort eine Vase und stellte den gepflückten Strauß mitten auf den riesigen Tisch. Er sah dort zwar etwas verloren aus, aber er durchbrach die Monotonie des dunklen Holzes und ließ es freundlicher erscheinen.
    
    Dann hüpfte sie direkt zur Treppe und rannte geradezu die Stufen hinauf, ließ mich allerdings dabei außer Acht. Ich stand noch dort wie angewurzelt und fühlte mich allein gelassen. Aber schon eine Minute später kam Sandra wieder halb die Treppe herunter und winkte mich mit einem Finger zu sich. Dann verschwand sie wieder, ohne auf mich zu warten.
    
    Ich folgte ihrer Aufforderung und erkannte schnell, wo sie sich aufhielt. Ihre Schlafzimmertür war offen und ich betrat den Raum. Sandra saß auf einer niedrigen Bank vor ihrem hohen Schminkspiegel, in dem sie mich erkennen konnte. Als sie mich sah, hielt sie eine Bürste hoch und ich trat hinter sie.
    
    Durch mein Kraulen waren ihre Haare ein wenig zerzaust worden und ich brachte sie jetzt wieder in Ordnung. Währen die überaus weichen Borsten der Bürste über ihren Kopf fuhren, hielt sie ihre Augen geschlossen. Selbst als alles wieder so ordentlich war, wie es gewesen war, machte ich noch weiter. Ließ die Haare immer wieder durch die Borsten gleiten, denn es ging nicht mehr darum, die Haarpracht zu ordnen. Es ging darum, eine Art Verbundenheit zu demonstrieren.
    
    Der weitere Tag bot nichts Überraschendes mehr, wurde eher langweilig. Sandra hatte irgendwas zu tun und wollte mich anscheinend nicht dabei haben. ...