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Karibik (4)
Datum: 29.04.2021, Kategorien: Kunst, Autor: Anonym
Karibik (4) Renee, George & Gainna Den ganzen Vormittag des heutigen Tages hatten wir damit zugebracht, die „Swallow“ zu reinigen. Ich weiß nicht mehr, wie viele Eimer klares Seewasser Mike aus dem Ozean schöpfen musste, bis ich endlich zufrieden war. Die Fischgräten, Muschelschalen, die vergammelten Früchte und die Knochen haben wir den Fischen spendiert. Die Zeitungsfetzen, Flaschen und Büchsen von Mateo haben wir in ein leeres Fass gefüllt. Mike hat ein kleines Segel und einen Kiel aus einem alten Backblech daran befestigt und wir haben es mit dem Wind in die Voodoo-Bucht zurück geschickt, als wir auf unserer Fahrt nach Nassau wieder daran vorbei kamen. Wir behalten nichts, was uns nicht gehört. Der Hafen von Nassau liegt in einem breiten natürlichen Kanal zwischen New Providence Islands und Paradise Island. Der Wind und die Strömung stehen günstig und wir kommen am frühen Nachmittag dort an. Schon gibt es wieder ein neues Problem: „Demmi, ich kann dich aber so wie du bist, nicht mit an Land nehmen. Ich könnte dir ja von mir eine Hose und ein Hemd geben, aber wie du damit aussehen würdest, kannst du dir ja wahrscheinlich vorstellen.“ Er schaut mich von oben bis unten an, und ich merke, dass ihn irgendetwas sehr irritiert. Die Tatsache, dass ich immer noch nackt bin, kann es nicht sein. Daran müsste er sich doch längst gewöhnt haben. Leider. „Mike, was hast du denn, du siehst mich so komisch und verwundert an…“ „Verwundert? Wunder, ja, das ist das richtige ...
... Wort. Demmi, hast du eigentlich schon einmal in den großen Spiegel geschaut? Der hängt unten in meiner Heckkajüte. Du hast dich ja total verändert…“ „Das kann ich mir schon denken, Mike. Einen gewaltigen Sonnenbrand werde ich wohl haben, knallrot am ganzen Körper. Ist nur komisch, dass ich selber fast nichts davon merke. Keine Schmerzen, nur ein wenig heiß.“ „Nein, eben nicht! Ganz im Gegenteil. Heute früh warst du tatsächlich noch so rot gebrannt, dass ich froh war, als du unten die Kajüten gewischt hast und aus der Sonne kamst. Aber jetzt, seit du den halben Tag am Steuer gestanden hast, ist deine Haut auf einmal goldbraun, und deine Haare erst! ...“ „Was ist mit meinen Haaren, fallen die etwa aus?“ „Nein, um Himmels Willen. Aber die sind auf einmal gar nicht mehr so einfach rot, wie vorher, sondern sie sind dunkler geworden und haben plötzlich einen Braunton drin. Wie bei einer reifen Kastanie. Guck doch mal nach unten, auf dein Drachenbootsegel. Das hat jetzt die Farbe von einer Kokosnuss.“ Ich schaue also auf meine Rechteckbürste und staune selbst. Die ist ja tatsächlich jetzt rotbraun, mit einzelnen hellbraunen Haaren darin. Sieht wirklich aus, wie eine Kokosnuss. Ich renne doch gleich einmal nach unten zum Spiegel und sehe mir das mal lieber im Ganzen an. Ich erkenne mich selbst nicht wieder! Die, die da vor dem Spiegel steht, ist gar nicht mehr die blasshäutige rothaarige Demmi, sondern sieht aus, wie eine monegassische oder toscanische Italienerin. Meine ...