1. Karibik (4)


    Datum: 29.04.2021, Kategorien: Kunst, Autor: Anonym

    ... verschämten Blick zur Seite und diesen roten Kopf kann ich sogar auch ohne alle Englischkenntnisse verstehen.
    
    „Sorry, I have keine, …äh, no clothes.“
    
    Dann halte ich mir wenigstens die Hände vor die Stellen, die man sonst für gewöhnlich versteckt.
    
    „You have no clothes? Is it really true? Are you in emergency, Lady? Do you need any help? Where is the boat-leader, where is the captain?
    
    “
    
    Ich zeige mit der rechten Hand nach Nordwesten, dahin, wo der Hafen ist.
    
    „The Cäpt’n is dort, in the Hafen, he is looking for the Hafen-Papers.“
    
    Mann! Ich kann ja Englisch. Der scheint mich zu verstehen. Jedenfalls sucht er mit seinen Augen nicht den Hafen, auf den ich zeige, sondern glotzt mir mit aufgerissenen Augen auf meine jetzt wieder frei gelegten Brüste. Süßer Junge! Ein richtiger Gentleman.
    
    Da kann ich ja die Hand unten auch wieder weg nehmen. Ich hebe beide Hände hoch und wedele mit den Handflächen, zucke mit den Schultern.
    
    „I can not alleine das Boot hier wegbringen…“
    
    Auch das scheint er irgendwie verstanden zu haben. Er schüttelt verzweifelt aber verständnisvoll mit dem Kopf, schnappt sich die Schleppleine, die ihm sein immer noch grinsender schwarzer Kollege herübergeworfen hat und bindet sie vorne am Bug fest. Dann kurbelt er geduldig den Anker hoch und gibt dem Mann drüben ein Zeichen. Das Polizeiboot nimmt langsam Fahrt auf und die Schleppleine hebt sich aus dem Wasser. Ich stehe neben dem Mann am Bug und sehe mir die ganze Sache sehr interessiert ...
    ... und sehr ergeben an. Was soll ich dagegen auch machen?
    
    Viel zu spät wird mir klar, was ich hätte machen sollen. Zum Beispiel: mich irgendwo festhalten. Plötzlich gibt es nämlich einen mächtigen Ruck und mir haut es glatt die Beine weg. Ich falle auf meinen Hintern, liege wie ein vom Baum gefallener Käfer auf dem Rücken und strampele mit den Beinen. „Aua!“
    
    Er dreht sich nach mir um und da hat er auch schon das ganze Alpenpanorama vor sich: Die Vorberge, die Po-Ebene und auch noch das ganze Faltengebirge mit Rütliwiese, Zugspitze, Simplontunnel und Brennerpass. Oh Mann! Dieser Blick! Aber Gentleman ist er, das muss man ihm lassen.
    
    „Oh sorry, my Lady! Oh, my goodness! I’m so sorry!
    
    Are You right, Lady? “
    
    Er reicht mir die Hand hin und zieht mich nett lächelnd wieder hoch auf die Beine. Dann lässt er noch einen langen tiefen Seufzer heraus. Warum seufzt der denn so melancholisch? Ach ja, weil er im Dienst ist, wahrscheinlich.
    
    Sie schleppen die „Swallow“ in den Bootshafen und vertäuen sie da am Anleger.
    
    Dann kommt auch noch der zweite Mann, der schwarze Grinser, an Bord und sagt: „Sorry Lady, but You’ll not be able to go out of your boat, if you further want to let your clothes off in everyway.“
    
    Ich verstehe zwar nichts, aber ich kann es mir denken, weil er dabei mit dem Finger auf mich zeigt und den Kopf schüttelt. Ich schaue ihn nur fragend an und mache eine Geste, die ihm anzeigen soll, dass ich das schließlich auch nicht ändern könne. Doch er weiß Rat. Er ...
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