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Karibik (4)
Datum: 29.04.2021, Kategorien: Kunst, Autor: Anonym
... schnappt sich eine der vielen Leinen, die an Bord herum liegen, und spannt sie zwischen zwei Pfosten, die da an Land stehen auf, wie eine Wäscheleine. Dann hängt er ein Handtuch und ein Hemd, sowie eine alte Hose von Mike darüber. Die nehmen sich zwar sehr dünn auf der langen Leine aus, aber er sagt überzeugt: „That’s it, Lady. This area is your home now, only yours, and nobody is allowed to look in here, as long as you don’t want to speak with him. Nobody will look in here. Your home is your castle. “ Oh ja, die Ex-Briten sind schon echte Gentlemen. Und sie haben mich nicht einmal nach meinem Pass gefragt. Warum sollten sie denn auch eine nackte Frau nach ihrem Pass fragen. Das wäre doch nur peinlich. Oder? „See you later, my Lady. I’ll just have a look for your captain now, into the harbour-office over there. “ Er salutiert und geht davon. Später habe ich erfahren, dass verheiratete Frauen auf New Providence Islands und den umliegenden Inseln einen besonderen Status genießen: Entweder sind sie das absolut unantastbare Eigentum ihres Mannes, oder, wenn der verstorben ist, dann sie sind das Familienoberhaupt eines Clans, und damit erst recht unantastbar. Wer das nicht akzeptieren will, der überlebt hier nicht lange. Und da finden sich auch kein Anwalt und kein Richter, um sein Ende zu ahnden. Die würden dann nämlich auch nicht mehr lange überleben. Sehe ich denn eigentlich so aus, als wäre ich eine verheiratete Frau? Könnte schon sein. Wenn er das ...
... wie ein Hobby-Gyno-Geologe aus den Klüften meines Faltengebirges herausgelesen hat, dann könnte er schon zu dieser Meinung gekommen sein. Schließlich hatte ja der Mike heute Vormittag erst noch das unstillbare Bedürfnis, mit seiner Lanze einen Drachen aufzuspießen. Den hat er dann auch tatsächlich zur Strecke gebracht. Da kennt er ja nichts. Ja, der Mike. Wo bleibt der denn bloß? Der schwarze Coastgardist kommt zurück, zuckt mit den Schultern und schüttelt mit dem Kopf. Offensichtlich hat er Mike nicht gefunden. „Hallo Lady, I’ve found that Rubber-boat with the Name „Swallow“on it. I’ve left a little memo for your captain there in it.” Er lächelt mir noch einmal freundlich zu und geht dann gleich wieder an Bord des Polizeibootes. Aber Mike muss doch hier sein. Ich habe schließlich auch sein Schlauchboot vorhin gesehen, als wir in den Hafen eingelaufen sind. ‚Wo steckt der Kerl? Wo steckt der wieder mal drin? Ich meine: In welcher Preduille?’ Vielleicht hat er ja wirklich Schwierigkeiten. Da muss ich eben geduldig weiter warten. Ich lege mich an Deck und genieße die abendliche Sonne. Der Trick mit der Wäscheleine scheint tatsächlich zu funktionieren. Obwohl ich immer noch ratzenackig bin und jeder mich fast ungehindert sehen kann, belästigt mich hier niemand. Leute, fast ausschließlich Männer, gehen vorbei, riskieren einen kurzen vorsichtigen Blick und gehen dann schnell weiter, als gäbe es da gar nichts zu sehen. Manche drehen sich aber vorher noch vorsichtig um, ...